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Der Wahlkampf via Facebook wird zusehends unverantwortlich

Thomas Stelzer und Manfred Haimbuchner sitzen erste Reihe fußfrei, während es in vier Bundesländern erstmals vorzugsweise via Facebook richtig zur Sache geht.

Der Wahlkampf via Facebook wird zusehends unverantwortlich

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Nach der Bundespräsidentenkür erlebt Österreich nicht nur die Premiere eines Nationalratswahlkampfs per Social Media, sondern es folgen gleich die regionalen Uraufführungen. Tirol wählt am 25. Februar, Kärnten am 4. März, Niederösterreich und Salzburg bis Mai 2018. Während Twitter auf Landesebene noch keine besondere Rolle spielt, ist Facebook dort bereits das wichtigste Propaganda-Instrument. Die Oberösterreicher sind die Klassenbesten. Josef Pühringer ist auch als Ex noch der Landeshauptmann mit den meisten Fans (78.000). Nachfolger Stelzer hat in nur elf Monaten bereits 65.000 gesammelt. Doch Stellvertreter Haimbuchner hält mit 90.000 den Rekord aller österreichischen Landespolitiker.

Wer regelmäßig verfolgt, was die Herren dort mitteilen (lassen), erkennt klare Strategieunterschiede. Während der ÖVP-Chef sich ungeachtet des anlaufenden Bundeswahlkampfs vor allem als Landeshauptmann inszeniert, nutzt der FPÖ-Obmann Facebook deutlich ideologischer: böse Ausländer, schöne Heimat, guter Strache… Das wirkt nach kommunikativer Mobilmachung für den Nationalratsstimmenfang. Doch es dient einem langfristigeren Zweck. Bis zur Landtagswahl im Herbst 2021 soll eine Gegenöffentlichkeit, eine blaue Parallelwelt etabliert werden. Das Vorbild dazu stammt aus den USA. Dort betreiben Republikaner und Demokraten ihre Abgrenzung derart radikal, dass sich die Polarisierung der Gesellschaft ständig verschärft. Als wichtigste Plattform dafür dienen Social Media. Dort verbreiten beide Seiten ihre Zerrbilder als Wahrheiten – gespeist von oft obskuren Quellen. Doch immer mehr Menschen vertrauen Facebook so wie bisher nur Zeitung, Radio und Fernsehen. Diese Desinformation spaltet die Gesellschaft. In den USA können sie sich nicht einmal mehr auf gemeinsame Tatsachengrundlagen einigen. Das Unwort von den alternativen Fakten suggeriert, dass es so etwas wirklich geben könnte. Diese Entwicklung macht sich nicht nur die FPÖ zunutze.

Während deren Getreue unzensuriert.at und Info-direkt teilen, setzen Anhänger der SPÖ auf Kontrast Blog und Politiknews, und die Sympathisanten der ÖVP verbreiten das Weltbild à la Kurz. Das ist legitim, aber ein Etikettenschwindel. Denn die Parteien tarnen ihre Eigenwerbung zusehends als Information. Was in herkömmlichen Medien unmöglich ist, funktioniert auf Facebook problemlos. Diese Irreführung zerstört jedoch die gemeinsame demokratische Gesprächsbasis. Das ist ein zu hoher Preis für einen kurzfristigen Wahlerfolg. Wer derart von Donald Trump siegen lernt, handelt unverantwortlich.

 

Peter Plaikner ist Politikanalyst und Medienberater mit Standorten in Tirol, Wien und Kärnten.

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Artikel Peter Plaikner 23. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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