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Von den Lagen der Mönche, des Königs und des Papstes

Kammern am Fuße des weltberühmten Zöbinger Heiligensteins ist die Heimat der Familie Hirsch.

Johannes Hirsch mit Familie am Fuße des Heiligenstein Bild: Weingut Hirsch

Seit über 500 Jahren steht der Zehenthof im beschaulichen Dorf und dieser wird seit fünf Genrationen, seit 1878, von der Familie Hirsch geführt. Josef, der heutige Senior startete mit 2,5 Hektar Weingärten und machte sich früh daran Weingärten zuzukaufen. Dass die "Hirschen" Querdenker sind bewies der Senior bei der Art des Zukaufs. Er kaufte zum Erstaunen seiner Nachbarn jene Lagen, welche damals eigentlich niemand haben wollte. Oben am Heiligenstein und nicht im Flachen wo es sich gemütlich Arbeiten lässt.

Der gute Mann hatte wohl jenen Spruch verfolgt den man bereits im Mittelalter im Burgund parat hatte: im Flachen sind die Lagen der Mönche, am Hang die Lagen des Königs und am Berg die Lagen des Papstes! Somit verfügt heute die Weinbaufamilie über die besten Lagen des Kamptals und manche Nachbarn, die damals die Vorgangsweise belächelt hatten, werden sich jetzt wohl sehr darüber ärgern, diesen Weitblick nicht gehabt zu haben.

Der heutige Chef des Hauses, Johannes ist ebenso stets für vermeintlich schräge Neuigkeiten zu haben. Ende des letzten Jahrhunderts, als es schick war in allen Gegenden auch Rotwein zu produzieren, rodete er alle Rotweingärten und setzte voll auf Riesling und Veltliner. Und Bio (dynamischer) Weinbau ist hier kein Modewort, sondern wird seit Jahrzehnten mit vollem Elan betrieben.

Mit dem Jahrgang 2004 setzte er noch eines obendrauf: radikal stellte er die gesamte Produktion auf Schraubverschluss um. Egal ob es sich um Weine der Top Lagen Heiligenstein, Lamm, Grub oder Renner handelte. Manche Fachmagazine schossen damals Johannes Hirsch medial durch Sonne, Mond und Sterne. Zwischenzeitlich hat sich auch dieses Thema etabliert.

Das jegliche Trickserei im Keller verpönt ist braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden. Reinzuchthefen kommen niemals zum Einsatz. Weine mit hohem Alkoholwert zu produzieren ist nicht seine Sache. O-Ton: "Wenn die Gärung vorbei ist, dann ist auch für mich die Sache erledigt. Egal wieviel Alkohol im Wein ist, meine Hefen fühlen sich bei etwas wärmerer Temperatur wohler und ich habe nicht ständig diesen Zuckerlton dabei. Dafür nehme ich das Risiko von etwas Restzucker gerne in Kauf!" Und dass von den "Hirschen" immer wieder mal neues kommt, davon kann man ausgehen.

Vater Josef ist immer noch aktiv, Ehegattin Sandra unterstützt Johannes tatkräftig und die Zwillingssöhne Florian und Josef, sowie Schwester Marie, werden wohl in die Fußstapfen der Vorgeneration schlüpfen. 

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Artikel Hans Stoll 07. August 2017 - 06:11 Uhr
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