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„Weil ich gerne koche“

Kochtreffen finden immer mehr Zuspruch. Auch in Linz.

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Leider musste dieses Mal der Christbaum ein paar Wipferl lassen. Anders wäre es aber auch nicht möglich gewesen, dem Topfenaufstrich die feine Note mitzugeben. In Gesellschaft mit Thymian und Salbei aus dem Garten, sowie Rosmarin vom Fensterbrett mauserte sich der Kräutertopfen zu einer hervorragenden Vorspeise, die beim saisonalen Slow Food Kochtreffen im Restaurant Kontrast von Herbert Wegscheider kredenzt wurde.

Seit sechs Jahren organisiert der Universitätsprofessor i. R. diese Kochtreffen für maximal 30 Personen. Vier Mal im Jahr. Vor dem Treffen wird entschieden, wer welchen Gang zubereitet, wer den Tisch deckt oder beim Abwasch mithilft. Als Grundvoraussetzung gilt, dass die Lebensmittel aus der Region kommen sollen und saisonal verfügbar sind. Für Herbert Wegscheider sind es aber weitere Gründe, die für diese Kochtreffen stehen: „Ich koche gerne und es soll nicht nur das Essen gesellig sein, sondern auch der Kochprozess, wenn wir alle davor gemeinsam kochen.“ Viele Häferlgucker schauen den Amateuren über die Schulter und bieten ihre Hilfe an. Gemüse schnipseln, Knödel drehen, Abschmecken, Anrichten. Faul steht niemand herum.

Vor dem Servieren merkt man in der Küche eine gewisse Anspannung. Jetzt muss es schnell gehen. „Freilich ist es eine Herausforderung, nicht für vier bis sechs Personen, sondern für dreißig Gäste zu kochen. Dieser Aufgabe stelle ich mich aber immer wieder gerne“, betont Wegscheider und kredenzt neben dem Aufstrich noch ein selbstgemachtes scharfes Apfelschmalz und ein Beef Tartar. Ein köstlicher Beginn.

Gemeinsamkeit

Kochtreffen erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Nicht nur in der oberösterreichischen Landeshauptstadt. So verfolgen in San Sebastián die „sociedades gastronómicas“ schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts das gleiche Ziel wie die Slow Foodies aus Linz. „Auf die Teller kommen fast ausschließlich saisonale Produkte aus der Region, nicht zu stark gewürzt, damit sie ihren Eigengeschmack behalten“, schreibt Mirco Lomoth über die baskischen Hobbyköche in der aktuellen „Beef“-Ausgabe. Einzig Frauen wird man in Spanien bei diesen Kochtreffen weniger finden. Die „sociedades“ waren schon immer ein Vorwand, für die Männer, um von zu Hause wegzukommen“ wird der baskische Vereinspräsident Txema Alberdi zitiert.

In Linz sind Frauen unverzichtbar. So zum Beispiel Karin Dorfner, die nicht nur das Uhudler Kochbuch (Rotblond mit Sissi Kaiser) gestaltet hat, sondern ein fixer Bestandteil der Kochtreffen ist. Letztes Mal wurde von der Hobbyköchin eine Lammhachse nach "Ossobuco"-Art zur Vollendung geschmort. Dazu ein cremiges Kürbis-Dinkelreisrisotto und die geschmackliche Harmonie war perfekt. So gut, dass für das nächste Kochtreffen am 25. April schon die ersten Annmeldungen fixiert wurden.

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Artikel Philipp Braun 07. Februar 2016 - 17:17 Uhr
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