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"Die Gier is wos schiachs"

Sonderangebote im Überfluss. Hauptsache billig.

Sonderangebot

Symbolbild Bild: (Wodicka)

Vor 44 Jahren zählte der Mann noch als Mann. Und wenn ein Gratis-Buffet in Sichtweite war, kannten die kulinarischen Gladiatoren kein Pardon, um den eigenen Teller randvoll zu beladen. Aspik, Hendlhaxn, oder Topfencreme konnten nicht zurückgelassen werden. Hauptsache man setzte die Ellbogen richtig ein, und sicherte sich beim Buffet einen Platz ganz vorne. Erste Reihe fußfrei.

Was das Buffet auf der einen Seite, sind die Lockangebote auf der anderen. "Kauf drei, Zahl zwei", "Heute 30 Prozent billiger" oder "XXXL-Angebot". Die Konsumenten-Triebe werden aus den Tiefen hervorgekitzelt und wie ein Hamster packt man Dinge für den täglichen Nichtbedarf in den prallen Einkaufswagen. Hauptsache viel. Hauptsache billig.

Dass man teilweise nicht unbedingt günstiger einkauft, zeigt sich oft, wenn man die Nahrungsmittel auf den Kilo- oder Literpreis aufrechnet, wenn faulige Lebensmittel unter den Einkauf geschmuggelt werden, oder wenn man im täglichen Überfluss, die Lebensmittel unberührt in den Müll fallen lässt. Für die Abfallforscherin Felicitas Schneider sind Sonderangebote neben soziodemographischen (Alter, Ausbildung) und individuellen Faktoren (persönliche Werthaltung) eine der Hauptursachen für Lebensmittelabfall. Oft landen unbeschädigte Verpackungen mit Inhalt (Milchprodukte) beziehungsweise einzelne ganze Lebensmittel ohne Verpackung (Ananas), angebrochene Lebensmittel, halbvolle Packungen, oder angeschnittene Lebensmittel im Abfalleimer.

Die individuelle Gier nach dem Billigsten kostet allerdings auch einiges: Umweltfolgekosten, miserable Arbeitsbedingungen oder unethische Tierhaltung. Wie ein Bumerang kommen die Kosten retour. Ist aber auch egal. "Bei der heißen Schlacht am kalten Buffet, da zählt der Mann noch als Mann, und Aug' in Auge, Aspik und Gelee, hier zeigt sich, wer kämpfen kann, hurra!" 

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Artikel Philipp Braun 09. Oktober 2016 - 09:56 Uhr
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