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Von Fußballfrauen und Charleys Tanten

Selbst wenn im Halbfinale die glücklichen Elfer-Füßchen fehlten:

Das österreichische Frauen-Nationalteam hat bei der Fußball-EM eine Glanzleistung abgeliefert und eindrucksvoll bewiesen, dass dieser Sport spannend, mitreißend und manchmal ganz schön hart sein kann. Auch wenn er von Frauen gespielt wird.

Sofern sich der momentane Spirit nicht allzu schnell verflüchtigt (wogegen der baldige Start der WM-Quali spricht), bringt der Überraschungserfolg von Manuela Zinsberger und Co. neben EM-Bronze auch einiges für die Wertschätzung weiblicher Sportlerinnen. Man hat es nach der Euphorie ja fast schon vergessen, aber in der grauen Vorzeit österreichischer Fußballrezeption, also vor knapp drei Wochen, waren die Fußballerfrauen noch häufiger in den Schlagzeilen als die Fußballfrauen. Und im Live-TV sah man Frauen eher in hübschen Cheesecake Shots aus den Fanreihen als am Spielfeld oder in der Sendungsmoderation. Mittlerweile ist aber alles anders und angesichts der coolsten Role Models ever würden wohl nur mehr die ganz arg Verschnarchten behaupten, dass Fußball nichts für Mädchen sei. Kick it like Schnaderbeck, yeah.

Der Fußball ist damit ein schönes Beispiel für eine stereotype Männerdomäne, die sich über die vergangenen Jahrzehnte hinweg Richtung Frauen geöffnet hat, und nun, nach einem selbsterwirkten Aufmerksamkeitsboost, schlussendlich auch durch die Öffentlichkeit neu bewertet wird. Ähnliche Umdenkprozesse gab es in Europa schon in vielen anderen Bereichen angewandter Emanzipation. Frauen tragen heute Rock oder Hose, sie lassen sich zur Kindergartenpädagogin oder zur Software-Entwicklerin ausbilden. Jeweils beides ist in der Regel akzeptiert, auch wenn – verstehen Sie mich da nicht falsch – insgesamt noch viel Luft nach oben ist.

Wie sieht es aber eigentlich aus, wenn wir das Ganze umdrehen und uns Männer in traditionell weiblichen Domänen vorstellen? TV-Journalistin Corinna Milborn hat dazu auf Facebook kürzlich eine provokante Frage gestellt: Was denken wir, wenn wir einen Mann im Sommerkleid sehen? Wir denken, mich eingeschlossen, spontan: Charleys Tante! Absurd! Aber: Ist diese Absurdität nicht die gleiche, die jemand vor 100 Jahren beim Gedanken an eine Frau in Stutzen und Stoppelschuhen empfunden hat?

Männliche Hebammen, strickende Väter – bei der Nichteinhaltung männlicher Rollenklischees sind wir oft noch viel weniger tolerant als im umgekehrten Fall. Gleichberechtigung darf aber keine Einbahnstraße sein. Daher sage ich heute: Tritt die männliche Synchronschwimmer-Nationalmannschaft Österreichs jemals erfolgreich bei einem internationalen Wettkampf an, organisiere ich ein Public Viewing. Versprochen.

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung. Twitter: @MartinaMara

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Artikel Martina Mara 05. August 2017 - 00:04 Uhr
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