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#Respekt, #Zivilcourage, #Zensur

Unter dem Schlagwort #Respekt sammelten die OÖNachrichten in der vergangenen Woche Strategien gegen den Hass im Netz. Experten und Betroffene, Politiker und Prominente erzählten über Erfahrungen, machten Vorschläge.

#Respekt, #Zivilcourage, #Zensur

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"Was tun gegen Trolle, Droher und Lügner auf Online-Plattformen?" lautete die gemeinsame Frage, die keine neue, aber eine nach wie vor relevante ist. Die Antworten waren unterschiedlich. Christoph Schönborn etwa betonte die Notwendigkeit digitaler Zivilcourage: Eine "kritische Gegenöffentlichkeit" müsse den Hetzern in sozialen Medien "unaufgeregt, aber entschieden Paroli bieten", so der Erzbischof. Ein wichtiger, nutzergetriebener Ansatz. Ja, es braucht noch mehr Bewusstsein, eine noch stärkere Community, mit wachen Augen und adäquaten Werkzeugen, die niemals jenen von Hass und Hetze gleichkommen dürfen.

Die digitale Kommunikationsmaschine als selbstkorrigierendes Perpetuum Mobile der Herzlichkeit bleibt – zumindest bis wir es vielleicht irgendwann doch mal allesamt hinkriegen – trotzdem ein hübsches Wunschbild. Zum einen schlicht deshalb, weil dort, wo viele Leute zusammenkommen, oft eine Verantwortungsdiffusion stattfindet. Je mehr Zuschauer, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich einer von ihnen zuständig fühlt (und auf Facebook gibt es potenziell fast zwei Milliarden Zuschauer). Zum zweiten, weil es im Netz längst nicht nur um unangenehme Flegeleien, sondern auch um strafrechtlich relevante Inhalte geht, von Verleumdungen bis hin zu konkreten Gewaltaufrufen.

Als Reaktion darauf wundert es nicht, dass auch im Zuge der #Respekt-Kampagne wiederholt nach Regulierung gerufen wurde.

Online-Plattformen wie Facebook oder Twitter sollten empfindlich bestraft werden, so ein Vorschlag, falls sie ihre Kanäle nicht selbst frei von Rechtswidrigkeiten halten. Ohne Schattenseiten wäre dies freilich ebenfalls nicht. Ein neues Positionspapier der Initiative #mediana17, getragen unter anderem vom Linzer Radio FRO und der Kulturplattform Oberösterreich, warnt zurecht vor einer potenziellen Einschränkung der Meinungsfreiheit, die mit einer proaktiven Strafvermeidungs-Strategie von Facebook und Co in diesem Fall einhergehen könnte.

Gegen eine drohende Zuckerberg-Zensur hilft darum wohl nur, die Entscheidung darüber, ob ein Posting bloß dumm oder doch rechtswidrig ist, bei der Justiz zu belassen. Idealvorstellung: Eine Hundertschaft unabhängiger Richter für den Instant-Online-Check. Würde Facebook seine Steuern bezahlen, könnte das vielleicht sogar realisiert werden. Einstweilen gilt aber: Irgendwo zwischen #Respekt, #Zivilcourage und #Zensur liegt der schmale Grat des Inter-Nett.

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung. Twitter: @MartinaMara

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Artikel Martina Mara 27. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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