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Öffentlichkeitsarbeit für Terroristen

Vergangene Woche hat es also Manchester getroffen. 22 Menschen sind durch die unbegreifliche Handlung eines jungen Burschen gestorben, in dessen Leben Wesentliches falsch gelaufen sein muss, um sich für ein bisschen Anerkennung und wirre Jenseitsversprechen zum Werkzeug mordender Tyrannen zu machen. Unter seinen Opfern sind viele Kinder und Jugendliche. Es ist furchtbar, abgründig, eigentlich gar nicht erfassbar.

Öffentlichkeitsarbeit für Terroristen

Bild:

Angesichts eines schrecklichen Ereignisses wie dem Terroranschlag in Manchester entwickeln die meisten von uns ein starkes Bedürfnis nach Erklärung, Aufklärung und nach Möglichkeiten, dem eigenen Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Je näher uns das Umfeld des Vorfalls ist – physisch, psychisch oder kulturell – desto stärker ist dieses Bedürfnis. Wir sprechen miteinander über das Geschehene. Wir solidarisieren uns in den sozialen Netzwerken mit Opfern und Hinterbliebenen. Wir checken News-Portale, in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse, die uns das Schreckliche irgendwie einordnen lassen. Professionelle Medien haben die wichtige Aufgabe, uns dabei mit verlässlichen Informationen und Einordnungsangeboten zu unterstützen.

Insbesondere nach Selbstmordattentaten wie jenem in der Manchester Arena wird über dieses Ziel aber regelmäßig weit hinausgeschossen. In ungustiöser Reality-Soap-Manier betreiben manche Medien regelrechte Terroristen-PR. Ja, man muss es so hart sagen. Besser könnten sich die Spindoktoren des IS kaum ausdenken, was hier zwecks Klickzahlen-Maximierung teils über die Bildschirme flimmert. Ohne jeglichen Neuheitswert zeigte die BBC etwa tagelang immer gleiche Videoloops von fliehenden und weinenden Menschen. Jedes Detail über Attentäter ist einen Aufmacher wert. Gibt es einen Abschiedsbrief, wird dieser manifestartig verlesen. Einer österreichischen Boulevard-Plattform war es im Fall des Manchester-Täters nicht einmal zu blöd, mit seiner "stylischen" Anschlagsgarderobe zu titeln, Turnschuhpreis inklusive.

Durch diese Art der Berichterstattung wird nicht nur die Botschaft der Terroristen unnötig laut in die Welt geschrien, sondern – und darauf weist die Forschung seit vielen Jahren hin – mitunter sogar zur Nachahmung angestiftet und bei der Rekrutierung von Terrorpersonal geholfen. Der posthume Märtyrerstatus von Attentätern, der im IS-Kosmos ja eine zentrale Rolle spielt, beruht nicht zuletzt auf dem Ausmaß medialer Präsenz, das den irregeleiteten Individuen immer wieder zukommt. Terror ist Massenmord mit Medienstrategie. So hat es die türkische Techniksoziologin Zeynep Tufekci kürzlich formuliert. Es wäre gut, wenn wir bei der Umsetzung dieser Strategie etwas weniger behilflich wären.

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung.

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Artikel Martina Mara 30. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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