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Nicht heut‘ Nacht, Schatz, mein Servo ist kaputt

Der Untergang der Menschheit durch Technologie: Ein altbekanntes Sujet, das zumindest literarisch in allen erdenklichen Schattierungen durchgekaut scheint.

Tütüs für die Mädchen

Bild:

Eine weniger bekannte – wiewohl erfrischend hedonistische – Variante der technikgetriebenen Apokalypse ist jene, in der sich Homo Sapiens entgegen seiner evolutionären Prägung vollends dem Matratzentango mit robotischen Liebesdienern anheimgibt. Sexitus sozusagen. Und bevor Sie jetzt gleich selbst danach googeln: Ja, Sexroboter gibt’s wirklich. Ja, die kann man kaufen. (Ja, die Akkulaufzeit ist ausreichend.)

Tatsächlich bieten Unternehmen wie TrueCompanion oder RealDoll, die Markführer im horizontalen Bot-Biz, bereits heute lebensechte, bewegliche Kopulationskameraden mit simpler künstlicher Intelligenz an. Durch eine Verbindung mit der Cloud soll man mit den neuesten Modellen zwecks Anheizung sogar über persönliche Lieblingsthemen (Aktien? Ornithologie? Die kritische Theorie Adornos?) plaudern können. Gemein sind den – üblicherweise weiblichen – Puppen außerdem eine meist problematische Vorbau-Statik sowie eine spülmaschinenfeste Höschen-Zone. Doch auch erste männliche Sexbots sind im Kommen. Das Modell „Rocky“ etwa lässt sich optisch komplett nach eigenem Gusto gestalten. Haut-, Haar- und Augenfarbe werden per Mausklick gewählt, Bartstoppeln kosten 100 Dollar extra. In Zukunft sind sogar Roboter nach Vorbild von Leinwandstars möglich. Der Clooney-Bot beispielsweise, der bringt dann hoffentlich eine ordentliche Crema zustande. Frau braucht ja schließlich auch mal ein bisschen Koffein zwischendurch.

 

 

 

Technikvisionäre wie der Autor David Levy oder der Zukunftsforscher Ian Pearson gehen davon aus, dass Sexbeziehungen mit Robotern zur Mitte des Jahrhunderts ganz alltäglich sein werden. Sogar heiraten werden wir unsere selbstkreierten Sexmaschinen, sagen sie. Nun ja, ich bin da weniger, ähm, optimistisch. Denn erstens wirken die mechanischen Puppen in Vorführungen allesamt noch mehr nach Frankensteins sediertem Monster als nach rolligem Callgirl. Und zweitens gilt hier ein Grundsatz, den ich gegenüber künstlicher Intelligenz ganz generell vertrete: Wir Menschen sind schwerer zu ersetzen als wir glauben. Ja wirklich, wir dürfen ruhig mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen. Ausdauermäßig mag so ein Duracell-Hase in der Silikonpanier vielleicht vorne liegen. Aber ohne Kreativität und Spontaneität ist selbst die ausdauerndste Rüttelhüfte auf Dauer etwas witzlos. Und spätestens wenn in sinnlicher Verrenkung der Sprachbefehl zum dritten Mal wiederholt werden muss, wünscht man seinem Sexbot schneller einen Migränevirus auf die Festplatte als man zuvor denkt. 

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter- Beziehung.

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Artikel Martina Mara 21. März 2017 - 00:04 Uhr
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