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Ist das Internet gescheitert?

Ein alberner Witz, den sich mein Mann vor Jahren ausgedacht hat, geht so: "Was ist das Gegenteil von Internet?" Die Antwort: "Extrabös."

(Sie müssen nicht lachen, können aber.) Aktuell scheint "extrabös" aber leider immer mehr als Synonym für das Internet denn als sein Gegenteil durchzugehen.

Ich bin wahrlich keine Kulturpessimistin, doch zurzeit fällt es mir schwer, nicht dem Digital-Blues zu verfallen. Gegen die Schlagzeilen, die die Webwelt letzthin hervorgebracht hat, helfen halt auch keine Bussi-Emojis oder Katzenkuschelvideos mehr: Da war dieser sinnlose Gewaltakt unter Wiener Jugendlichen, der sich zum potenzierten Leidwesen des Opfers als Handy-Video viral im Netz verbreitete. Völlig unverständlich, warum Facebook das Video tagelang nicht offline nahm, nicht einmal auf Anfrage der Staatsanwaltschaft. Da waren wieder so viele Hass- und Hetzpostings, unter anderem eines aus Oberösterreich, das dazu aufrief, den Journalisten Florian Klenk anzuzünden. Da war die Causa US-Wahl, anhand deren Aufarbeitung nun immer klarer wird, wie sehr Facebook und Co tatsächlich dazu beitragen, die Gesellschaft in Meinungskapseln politisch Gleichgesinnter aufzuspalten.

Es fühlt sich legitim an, die Frage in den Raum zu stellen, welche Vorteile uns das Internet – 20 Jahre nach seiner Ankunft in der Breite – eigentlich gebracht hat. Oder ist das Projekt World Wide Web, mit all seinen Versprechen aus der Anfangszeit, ganz einfach gescheitert? Immerhin sollte es Menschen und Kulturen verbinden, Benachteiligten Zugang zu Information und Bildung ermöglichen, Forschung fördern, für mehr Transparenz und Fairness sorgen, Zensuren unterlaufen und nicht zuletzt die Demokratie stärken. Heute stehen dieser teils auch antikapitalistischen Digitalutopie der 1990er Jahre profitorientierte Tech-Großkonzerne gegenüber. Dem vielzitierten Bild von McLuhans globalem Dorf stehen voneinander isolierte Content-Grätzl gegenüber. Und der Demokratieverheißung steht eine sich ausbreitende Zuwendung zu Totalitarismus und Extremen entgegen, inklusive einem lauter werdenden Wunsch nach starken Führern.

Es ist besorgniserregend. Trotz allem habe ich den Glauben an die Potenziale des Internets aber noch nicht verloren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich täglich Menschen treffe, online und offline, die daran arbeiten, das Web zu einem freundlicheren Ort zu machen. Die gerade jetzt gegen Hasspostings vorgehen oder neue Algorithmen entwickeln, mit denen wir aus unseren virtuellen Meinungskapseln ausbrechen können. Wir Menschen sind frei, das Internet so zu nutzen, wie wir wollen. Ich hoffe, wir sind uns einig, dass wir es künftig anders nutzen wollen.

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung

Fake-News sind auf Facebook erfolgreicher als seriöse Nachrichten

Die Geschichte von endingthefed.com ist eine Erfolgsstory. Die News-Webseite gibt es erst seit März dieses Jahres, aber die Besucherzahlen wuchsen rasant. So rasant, dass sie sich nach wenigen Monaten mit führenden US-Medien wie der Washington Post und der New York Timesmessen konnte. Dort konnte man Meldungen lesen mit Überschriften wie: "Hillary verkaufte Waffen an den IS". Das Konzept funktioniert vor allem auf Facebook: Die erfolgreichsten vier Beiträge von endingthefed.com erreichten rund drei Millionen Interaktionen - fast 200 000 mehr als die Top-Beiträge der Washington Post. Das hat eine Analyse von Buzzfeed ergeben.

Demzufolge erreichten die Fake-News im Vorfeld der US-Wahl zwanzig Prozent mehr Interaktionen als seriöse Nachrichten - sie wurden also häufiger geteilt, kommentiert oder mit einem Emoticon markiert. Für die Studie verglich Buzzfeed die erfolgreichsten Facebook-Posts von ultrakonservativen Gruppen und sogenannten Hoax-Seiten wie endingthefed.com mit den 20 Top-Posts von US-Medien.

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Artikel Martina Mara 22. November 2016 - 00:04 Uhr
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