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Hau den Roboter!

Anfang August hat ein Kärntner Jäger eine Drohne vom Himmel geschossen. Sie war über einer Alm in Hermagor geflogen, ferngesteuert von einem jungen Piloten.

Der Jäger zielte laut eigenen Angaben ganz bewusst auf die Drohne, weil er die Almtiere schützen wollte. Dass die Viecherl in reinster Marcel-Hirscher-Manier dadurch erst recht Gefahr liefen, vom abstürzenden Blechhaufen getroffen zu werden, das ist eine andere Geschichte. Der Drohnenerlediger wurde jedenfalls wegen Sachbeschädigung angezeigt und muss nun wohl auch die 1600 Euro, die der Flugroboter gekostet hat, berappen. Ich frage mich, wie häufig wir solche und ähnliche Berichte künftig lesen werden. Es gibt Prognosen, die besagen, dass es in wenigen Jahren ganz normal sein wird, drei Drohnen am Tag zu begegnen. Dazu kommen die vielen anderen Roboter. Selbstfahrende Autos, noch mehr autonome Maschinen in der Industrie, sogenannte soziale Roboter, die uns im Supermarkt beraten oder sich mit der Oma unterhalten sollen. Werden Menschen dagegen revoltieren wie die Maschinenstürmer zu Beginn des 19. Jahrhunderts? Wird es Tontaubenschützen 3.0 geben, die sich zum Drohnenabschuss treffen? Saboteure, die auf Robotertaxis einhauen oder den Alexas und Watsons dieser Welt mal richtig eins reinwürgen, wenigstens ihren profanen Hüllen?

Komplett abwegig ist das nicht. Der Kärntner Drohnenjäger reiht sich – vermutlich gänzlich absichtslos – in eine Chronologie der Gewaltakte gegen Roboter ein, die zumindest zur Diskussion anregt: Dem humanoiden Roboter Hitchbot, den man im Zuge eines sozialen Experiments zum Autostoppen in Philadelphia ausgesetzt hatte, wurde 2015 der Kopf abgerissen. Ein japanisches Forscherteam demonstrierte ebenfalls 2015, wie Kinder Service-Roboter im Einkaufszentrum beschimpften und mit Füßen traten. Ein US-Armeeveteran in Colorado wollte bereits 2013 eine bewaffnete Bürgerwehr gegen Drohnen gründen. Und im Silicon Valley wurde kürzlich zum wiederholten Male ein Parkplatz-Überwachungsroboter verprügelt.

Oft steckt hinter dem Phänomen des Robo-Bullyings, wie es in Forscherkreisen bereits genannt wird, blanker Vandalismus. Manchmal ist es wohl aber auch ein Ohnmachtsempfinden gegenüber Technologie, die ungefragt da ist, die uns potenziell kontrolliert, überwacht, übertrumpft. Dabei gibt es einen durchaus konstruktiveren Weg, dieser Ohnmacht entgegenzuwirken. Er liegt in der Hacker-Mentalität: Statt Maschinen zu zerschlagen, schrauben Hacker sie auf, schauen ins Innere, zerdröseln den Code. Sie schaffen Selbstermächtigung durch Sachverstand. Das ist eine Art der Dekonstruktion, die ich deutlich sympathischer finde.

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung. Twitter: @MartinaMara

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Artikel Martina Mara 19. August 2017 - 00:04 Uhr
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