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Fake News: Was bisher geschah (und was geschehen muss)

Hinter uns liegt das Wochenende des 1. April. Zyniker sagen: Der einzige Tag im Jahr, an dem Nachrichten im Internet kritisch vom Publikum hinterfragt werden. Tja, April, April – die nette Humorschwester der Fake-News-Debatte sozusagen.

Fünf Monate nach der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl und vier nach unserem heimischen Korrelat darf man aber ruhig auch mal außerhalb der Kulturtechnik des Aprilscherzens fragen, was aus dem Kampf gegen Fake News eigentlich geworden ist. Im Anschluss an den Wahlerfolg Donald Trumps im November letzten Jahres standen manipulative Falschmeldungen, die sich online teils lauffeuerhaft verbreitet hatten, ja hoch in der internationalen Kritik. Den ihnen unterstellten Einfluss auf Wählerentscheidungen nannte Facebook-Chef Mark Zuckerberg damals noch larmoyant eine "crazy idea". In der Zwischenzeit hat der Facebook-Häuptling seinen Standpunkt überdacht.

Tatsächlich gibt es mittlerweile erste Ansätze zur Einschränkung von Fake News in sozialen Online-Netzwerken. Die ARD etwa hat erst gestern ihr Rechercheprojekt "Faktenfinder" gestartet. Und auch Facebook wird aktiv. Dieser Tage ist bekannt geworden, dass das einflussreichste aller Netzwerke die mit 14 Millionen Dollar geförderte "News Integrity Initiative" des Journalismusforschers Jeff Jarvis unterstützt. Außerdem experimentiert Facebook seit einigen Wochen auch auf eigene Faust mit der Kennzeichnung potenzieller Falschmeldungen. Unter Mithilfe unabhängiger Faktenchecker werden erste Facebook-Posts bereits heute als "disputed" – umstritten – ausgewiesen und visuell durch ein rotes Warndreieck markiert.

Die Crux an der Sache ist allerdings folgende: Natürlich ließen Trump-Fans nicht lange auf ihre Kritik an den vermeintlichen neuen Zensurmaßnahmen warten. Und zumindest teilweise sind ihre Kritikpunkte sogar nachvollziehbar. Mit der Einführung von Faktenprüfern wird das Problem nicht gelöst, sondern wahrscheinlich nur eine Etage nach oben gespielt – von der Glaubwürdigkeit einzelner Meldungen zur Glaubwürdigkeit der Meldungsprüfer. Und zur Frage, wer die Lizenz zum Faktencheck vergibt.

Aus diesem Grund ist für mich klar: Unser wichtigstes Ziel muss immer die Förderung aufgeklärter und medienkompetenter User sein. Wir brauchen junge Leute, die selbst in der Lage sind, etwaige Motive hinter meinungsbildenden Posts zu reflektieren. Ein Schulfach zur Vermittlung digitaler Kompetenzen, wie es derzeit endlich auch für Österreich diskutiert wird, wäre ein guter – dringend notwendiger – Start. Damit Online-Nachrichten nicht einfach für bare Münze genommen werden. Weder am 1. April noch an irgendeinem anderen Tag des Jahres.
 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung.

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Artikel Martina Mara 04. April 2017 - 00:04 Uhr
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