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Danke für Ihre E-Mail, sie wird nicht beantwortet

Folgende automatisch generierte Antwort habe ich kürzlich auf eine von mir versandte E-Mail erhalten: "DANKE, dass Sie mir eine E-Mail geschickt haben. Sie wird gelesen, aber nicht beantwortet."

Danke für Ihre E-Mail, sie wird nicht beantwortet

Bild:

Und weiter: "Leider bekomme ich sehr viele E-Mails, also echt viele. Würde ich jede einzelne beantworten, würde mein Leben hier und jetzt enden." Im Anschluss folgte ein Hinweis zur Terminvereinbarung für eine persönliche Sprechstunde. Spontan erschien mir diese humorige Autoreply als ungehobelter Affront gegen meine Person. Ja, gut, der von mir Adressierte ist ein aus Funk und Fernsehen bekannter Wissenschaftler, der wohl massig Post erhält. Aber immerhin habe ich ja auch nicht nichts zu tun und außerdem einiges in die Formulierungshübschheit meiner Nachricht investiert. Meine Zweitreaktion sah dann allerdings anders aus. Nach kurzer Bedenkzeit kam ich zum Schluss: Recht hat er. Selbst als weniger prominenter Teilhaber der digitalen Sphäre kennt man vermutlich das Gefühl, von einer Sintflut elektronischer Nachrichten niedergeschwemmt zu werden. Oft komme ich vor lauter neuen E-Mails, die gelesen, gelöscht, weitergeleitet oder beantwortet werden sollen, nicht einmal mehr zur Erledigung der Aufgaben, um die es in diesen E-Mails eigentlich geht. Ich verehre ja jene Vertreter des arbeitenden Schreibtischvolkes, die mit den ständig aufleuchtenden Elektrokuverts zurechtkommen.

Eine Kollegin von mir, beispielsweise, arbeitet ihren Posteingang täglich vor Büroschluss auf null – in Zahlen: 0 – E-Mails herunter. Im Kollegenkreis munkelt man von Live-Sichtungen des raren Naturschauspiels. Ich gratuliere und finde, besagte Dame sollte längst sämtliche vorderen Verkaufsränge aktueller Ratgeberliteratur besetzen. Viele andere können aber nur träumen von einem derartig glanzvollen, naturgegebenen Postfachradikalismus. Wir weniger Begabten brauchen Strategien, wir brauchen Klappschirme gegen den E-Mail-Hagel. Sofern es Ihr Arbeitgeber zulässt – und von denen unterstützen ja ohnehin immer mehr den Trend zum Digitalentzug – rate ich daher zu einer Doppeltaktik, bestehend aus a) Freiräume schaffen, und b) die Erwartungshaltung senken. Freiräume schafft man durch Abschalten von E-Mail-Pop-ups am Handy, E-Mail-freie Wochenenden oder eine abendliche Sperre von Job-Nachrichten. Die Erwartungshaltung des Absenders senkt man nach Vorbild des eingangs zitierten Herrn. Etwa mit folgender Autoreply: "Lobende Worte oder lukrative Angebote bitte in der Betreffzeile als solche kenntlich machen. Der Rest reiht sich leider in der Warteschlange ein. Aktuelle Position: 563." Was glauben Sie, wie sehr sich der Absender dann über eine rasche Antwort freut.

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung.

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Artikel Martina Mara 28. März 2017 - 00:04 Uhr
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