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Alter, klapp endlich den Laptop zu

Zählt man als Homo sapiens der Gegenwart zur tau- bis mittelfrischen Kohorte der nach 1981 Geborenen, ist man für Generationenforscher ein sogenannter "Millennial".

Alter, klapp endlich den Laptop zu

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Und wie es eben so spielt mit der Never-Ending-Story zyklischer Jugendschelte, darf man sich als solcher von der nächstälteren "Generation X" Diverses an den Kopf werfen lassen: Die jungen Leute seien unmotiviert, uninteressiert, unpolitisch, heißt es. Der narzisstischen Selbstanschmachtung verfallen, hätten sie nicht einmal mehr Sex miteinander, heißt es. Und überhaupt und sowieso seien sie ständig im Internet, zum echten Gespräch gar nicht mehr fähig, mit ihrem Handy gleichsam zu-sam-men-ge-wach-sen. Sie werden mir zustimmen: Den letzten Vorwurf hört man oft.

Tja. Blöd gelaufen. Wie neue Forschungsdaten zeigen, hätte der selige Sigmund Freud den Mamas und Papas der Millennials wohl einen klassischen Fall von Projektion attestiert: Etwas, das einen an sich selbst stört, rechnet man Dritten zu. Und über die regt man sich dann auf. So sieht’s zumindest aus, wirft man einen Blick in den jüngsten Social-Media-Report der US-Marktforscher von Nielsen. Überraschenderweise stellen sich dort nämlich nicht die 18- bis 34-jährigen Millennials als ärgste Online-Süchtler heraus, sondern die 35- bis 49-jährigen Angehörigen der Generation X.

Nicht falsch verstehen, die Millennials treiben sich laut Nielsen durchschnittlich sechs Stunden und 20 Minuten pro Woche auf Facebook, Snapchat und Co herum. Das ist viel. Aber ihre Elterngeneration übertrumpft das noch mal um 40 Minuten. Sprich: sieben Stunden pro Woche. Sprich: beinahe ein ganzer Arbeitstag, der für Browsen und Posten, Sharen und Stalken draufgeht. Allerhand.

Das Einzige, was hier klischeekonform angemerkt werden kann, ist, dass die Jüngeren fast ausschließlich am Smartphone netzwerken, während die Älteren dafür noch öfter Tablet oder Laptop benutzen. Aber das bedeutet halt auch nur, dass die Mama im Zweifelsfall einen größeren Bildschirm vor der Nase picken hat als ihre Tochter.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich einen unterschätzten Vorteil der Millennials einzugestehen: Als digitale Ureinwohner sind sie an pausenlose virtuelle Vernetzung gewöhnt. Und Gewöhnung führt mitunter zu Fadesse. Möglicherweise erhöht das langfristig sogar die Bereitschaft der Jungen zum Abschalten – während die digitalen Einwanderer der Generation X von den ehemals nicht verfügbaren Möglichkeiten des Internet nach wie vor verzaubert sind. Oder, wie ich es kürzlich so schön im Kreis befreundeter Teenie-Eltern gehört habe: "Papaaaa, du bist noch immer grün auf Facebook. Jetzt klapp doch mal den Laptop zu, Alter. Wir eeeessen!"

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung.

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Artikel Martina Mara 07. Februar 2017 - 00:04 Uhr
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