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3, 2, 1 – Hände weg vom Lenkrad

Vergangene Woche kam mir eine interessante Statistenrolle zu. Ein deutscher Autokonzern lud mich ein, mich von seinem neuesten selbstfahrenden Testwagen auf dem Münchner Highway herumkutschieren zu lassen.

Frei zitiert nach Knight Rider: "Ein Auto. Ein Computer. Eine Frau." Na ja, und zugegebenermaßen auch noch ein sogenannter Sicherheitsbeifahrer und ein Techniker, die gemeinsam mit mir im Roboterauto saßen. Es konnte also kaum was schiefgehen.

"Jack" hieß er, mein temporärer K.I.T.T. Bevor ich vorne links im Jack Platz nehmen durfte, gab es eine kurze Einschulung. Grundtenor: Keine Spompanadeln während der Fahrt. Insbesondere keine yogahaften Verbiegungen in Richtung Rückbank. Nicht, weil derartiges Verhalten den Fahrer – sprich: Computer – stören würde (der ist da beneidenswert indifferent), sondern weil das bei den Insassen der Autos links und rechts von uns für Irritationen sorgen könnte. Von außen wirkt der Jack nämlich wie das nette Auto von nebenan. Ausladendes Herumgefuchtel am Fahrersitz sieht dadurch schnell nach Gefahrenquelle aus. Als es losging, musste ich doch zuerst noch selbst Hand anlegen. Den Weg bis zur Autobahnauffahrt darf Jack derzeit nämlich noch nicht autonom absolvieren. Nachdem wir auf der Autobahn ankamen, war es dann aber wirklich so weit. Per blauem Lichtsignal zeigte mir Jack an, dass er zur Kontrollübernahme bereit war. Ich müsse einfach nur die Füße von den Pedalen nehmen und das Steuer loslassen, hieß es. Gar nicht so einfach. Immerhin waren wir mit knapp 130 km/h unterwegs. Dazu kommt die Angst vor dem Kontrollverlust, vor der ja kaum ein Mensch gefeit ist. Im Prinzip ist das im autonomen Fahrzeug ganz ähnlich wie im Flugzeug, wo das Fehlen von Eingriffsmöglichkeiten bei vielen von uns ebenfalls Mulmigkeit hervorruft.

Schlussendlich traute ich mich aber. Ich nahm die Hände weg und tatsächlich: Das Auto bremste, beschleunigte und wechselte sogar die Spur ganz von allein. Es fiel mir deutlich leichter, der Technik Vertrauen zu schenken, als ursprünglich gedacht. Mein "Sicherheitsbeifahrer" mag daran seinen Anteil gehabt haben – sicher aber auch das Display über der Mittelkonsole, auf dem ich in der Kameraansicht stets mitverfolgen konnte, was Jack gerade sah, wie er Objekte auf der Straße klassifizierte und was er als nächstes vorhatte. Diese Art der Transparenz halte ich für einen Schlüsselfaktor zukünftiger Mensch-Roboter-Kommunikation. Bleibt sie erhalten, kann ich mir gut vorstellen, mich auch zukünftig wieder mal in einen Jack zu setzen. Dass ich ihn – wie einst Knight Rider – dann auch noch per Armbanduhr herbeirufen kann, daran sollte allerdings noch gearbeitet werden.

 

Martina Mara ist Medienpsychologin und forscht am Ars Electronica Futurelab zur Mensch-Roboter-Beziehung. Twitter: @MartinaMara

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Artikel Martina Mara 09. September 2017 - 00:04 Uhr
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