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Grüße aus Vorarlberg: Den Ausweis, bitte!

Für öffentliche Bauten gibt es im Ländle den „Kommunalgebäudeausweis“. Je ökologischer ein Gebäude, umso mehr Punkte, umso mehr Förderung.

Mit 930 Punkten einer der Spitzenplätze: der Kindergarten Hatlerstraße von Nägele Waibel in Dornbirn. Bild: Benno Hagleitner

Ob Amtshaus, Schule oder Pflegeheim, ob Kindergarten, Turnhalle oder Kultursaal – seit 2011 können Vorarlbergs Städte und Gemeinden ihre Neubau- oder Sanierungsprojekte mit dem Kommunalgebäudeausweis (kurz KGA) dokumentieren. Mit bis zu 1000 Punkten lässt sich damit die energetische und ökologische Qualität einer Baumaßnahme beurteilen. Angeregt wurde das Konzept von Land und Gemeindeverband, um den EU-Kriterien über energiesparendes öffentliches Bauen (gültig ab 2019) mit einem Fördersystem rechtzeitig entgegenzukommen. Bis zu vier Prozent steigt die Bedarfszuweisung je nach erreichter Punktezahl. Zudem kann bei gelungenen Projekten die förderbare Baukostenobergrenze angehoben werden. 

Entwickelt wurde das Dokument vom Umweltverband der 96 Vorarlberger Gemeinden gemeinsam mit relevanten Fachleuten. Das Konzept ist nachhaltig und umfassend überlegt. Geringer Heizwärmebedarf und schöne Dämmwerte sind für den Ausweis weit zu wenig. Die Performance eines Gebäudes wird nach vier Kategorien bemessen.

Es beginnt mit der „Prozess- und Planungsqualität“: Sind z.B. genug Fahrradstellplätze konzipiert, wird das Tageslicht gut ausgenutzt? Unter „Energie und Versorgung“ wird der Gesamteinsatz endlicher Energieträger erhoben, auf erneuerbare Energiequellen geachtet, der Heizbedarf verzeichnet. Zum ökologischen System eines Gebäudes gehört der bewohnende Mensch: Die Kategorie „Gesundheit und Komfort“ fragt nach der thermischen Behaglichkeit in Sommer und Winter und erhebt die Qualität der Raumluft. Die vierte Ebene betrifft „Baustoffe und Konstruktion“. Es geht um die Vermeidung von „kritischen Stoffen“, insbesondere PVC in Bodenbelägen, Installationen, bei Fenstern und Türen. Positiv bewertet werden hingegen Materialien aus ökologisch optimierter Herstellung und Baustoffe und Konstruktionen mit geringem Entsorgungsaufwand.

Mittlerweile sind zahlreiche Beispiele entstanden, die zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Nicht nur finanziell, auch funktional, sozial und kulturell, weil nach diesen Kriterien überaus angenehme und lebenswerte Gebäude entstehen. Die Qualität der Architektur nimmt davon keinen Schaden, eher ganz im Gegenteil. Die Grußbotschaft aus West lautet daher: „Oberösterreich, diesen Ausweis bitte!“ 

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Artikel Tobias Hagleitner 10. Oktober 2015 - 06:45 Uhr
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