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Die perfekte Bank

‚Komm, setz dich her, leg dich hin, bleib ein bisschen‘, sagt die gute, die einladende Bank. Bänke, die das nicht tun, sind eine Themenverfehlung. Leider gibt es davon viel zu viele.

Eine bekannte Form perfekt aktualisiert: Diese Bänke in Split sind Teil der Ufergestaltung der Zagreber 3LHD Architekten. Bild: Hagleitner

Im Park, vor dem Haus, an der Haltestelle oder auf dem Ortsplatz – Bänke vermitteln Wohnlichkeit im öffentlichen Raum. Sie sind sozialer als der Sessel, bieten mehreren Personen einen gemeinsamen Platz. Sie sind ein Ort, um ins Gespräch zu kommen, um Aussicht zu genießen, eine städtische Szenerie zu beobachten, gut für ein Picknick, zum Rauchen oder Schmusen. Im Idealfall haben sie eine Länge, die auch Liegenden eine angenehme Ruhefläche bietet. Armlehnen, die die Bank in Einzelsitze zerteilen, sind ein ungemütlicher Unfug. Sie sind eine witzlose Verballhornung der Grundidee einer Bank.

Die Form entscheidet über den Komfort einer Bank. Die Lehne braucht ein bisschen Schwung wie die Wirbelsäule, sollte nicht zu niedrig sein. Auch die Fläche zum Sitzen muss nicht flach sein wie eine Ablage. Leichte Rundung kommt der Körperform entgegen. In der kälteren Jahreszeit sollte die Bank den Allerwertesten nicht zu viel Wärme entziehen, was stark für Holz als Material für die Sitzfläche spricht. Ein Problem ist Nässe. Laub bleibt kleben, die Feuchtigkeit hält sich dauerhaft. Unerschrockene Bank-Menschen setzen sich dann auf die Rückenlehne und nutzen die Sitzfläche als Fußablage, was dort unliebsame Schmutzlachen hinterlässt. Die perfekte Bank ist deshalb die gepflegte Bank, eine Bank, um die sich jemand kümmert, von der Laub weggeräumt wird, die hin und wieder abgewischt, auch mal nachgeschliffen und neu lackiert wird.

Wer sich die Arbeit und die damit verbundenen Kosten für die perfekte Bank sparen will, investiert in eine wartungsarme Bank. Städte und Gemeinden machen das gern. Solche Bänke bestehen zum Beispiel aus Lochblechen auf Stahlträgern. Wer im Sommer in leichten Leinenhosen auf diesen Bänken gemütlich ein Eis essen möchte, muss sich festhalten, um auf der glatten Fläche nicht abzurutschen. Im ohnehin risikoreichen Winter (entsprechende Warntafeln und Absperrungen an städtischen Steigen erinnern daran) besteht die Gefahr, mitsamt Glühweinbecher in der Hand an den blitzenden Chrommöbeln festzufrieren.

Richtig perfekt wird die Bank erst durch das Umfeld. Sie braucht Sonne im Winter und Schatten im Sommer. Nur ein ordentlicher Laubbaum in der Nähe schafft das. Sie braucht eine gute Aussicht, eine ansehnliche Landschaft rundherum, einen attraktiven Spielplatz davor oder einen geschäftigen Markt. Die perfekte Bank braucht das Gefühl von Sicherheit im Rücken und ein bisschen Abstand zu Geh- und Fahrwegen, dass sich wirkliche Erholung einstellt. Manchmal sind Bänke auf Finanzierung aus der Privatwirtschaft angewiesen. Vor allem in ländlichen Gemeinden sponsern oft Banken die Bänke. Eine Hinweistafel mit Logo gibt das bekannt. Hier gilt: Je dezenter, je lieber.

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Artikel Tobias Hagleitner 21. November 2015 - 06:32 Uhr
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