23. August 2017 - 00:04 Uhr · Ali Grasböck · Aufgespießt von Ali Grasböck

Her mit ein paar Posten, sonst gibt’s Saures!

Kolumne

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Wie es in dieser Jahreszeit Brauch ist, häufen sich in den Geschäften langsam die Lebkuchen, quasi als Erinnerung an die Zukunft, die uns einen Advent bescheren wird.

Und wenn man gedanklich schon bei der vierten Kerze weilt, kann man gleich auch grübeln, was man sich außer Frieden im Herzen vom Christkind wünschen soll.

Es gibt Leute, die das schon wissen: Sie wünschen sich eine saftige Inflation. Kürzlich trat einer von denen in einer deutschen Nachrichtensendung auf und jammerte dem Publikum sinngemäß Folgendes vor:

Die Geldleute raufen sich die Haare, weil die Inflation nicht und nicht anziehen will! Im Euroraum liegt sie bei läppischen 1,3 Prozent, die Geldmärkte wünschen sich aber zwei Prozent. Liebes Christkind, lass die Energiepreise hinaufschnalzen, und wenn das nicht klappt, mach wenigstens die Lebensmittel teurer, aber kräftig!

Okay, den Satz mit dem Christkind hat er nicht gesagt, der ist eine satirische Vermutung. Recht wär’s ihm sicher, Hauptsache, die Inflation steigt. Allerdings wäre er beim Christkind sowieso an der falschen Adresse, weil diese Leute an Gott Geld glauben. Das ist der, der seine Söhne auf die Erde geschickt hat, wo sie das Spekulantentum verbreiten.

Immer wenn die Geldleute zu Weihnachten keine schöne Inflation unter dem Baum finden, ist die Europäische Zentralbank ganz traurig, aber man kann halt nicht alles haben. Das Mitleid hält sich in Grenzen, denn der Zentralbank ist es ja auch powidl, wenn die Inflation den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche frisst und sie gleichzeitig für ihr Erspartes praktisch keine Zinsen mehr kriegen.

Bevor sich zum Lebkuchen die Keksflut gesellt und am Baum die Lichter brennen, wird über Österreich die Inflation der Wahlversprechen hereinbrechen. Manche wirken auf den ersten Blick ganz brauchbar, werden jedoch nach der Wahl zu Ramsch.

Eine gewisse Spannung ist für Halloween zu erwarten. Wer wird wohl zu wem "Her mit ein paar Ministerposten, sonst gibt’s Saures" sagen können?

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/aufgespiesst/Her-mit-ein-paar-Posten-sonst-gibt-s-Saures;art10213,2657652
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