04. Oktober 2017 - 00:04 Uhr · Ali Grasböck · Aufgespießt von Ali Grasböck

Den ewigen Topfen noch einmal schmackhaft machen

Das Thema zieht sich seit Jahren durchs Land wie ein übler Geruch. Nicht selten ist der Verdacht entstanden, für so genannte "Beratungstätigkeit" seien aberwitzige Honorare gezahlt und damit Steuermillionen verschoben worden.

Heute wollen wir jedoch davon ausgehen, dass es in dieser Branche auch saubere Geschäfte und seriöse Leute gibt. Trotzdem drängt sich die Frage auf: Wieso gibt es so viele Politikberater?

An Politikern herrscht kein Mangel, und jeder von ihnen wird gern bestätigen, dass er sich in seinem Geschäft bestens auskennt. Sollte einer dennoch bei einem Detail unsicher sein, was er tun soll, kann er eine Handvoll Wähler fragen. Die sagen ihm schon, was ihnen maßlos auf den Wecker geht und womit er ein paar Pluspunkte sammeln könnte.

Nun hat also der Politiker, der im Grunde eh relativ obergescheit tut, zusätzlich "dem Volk aufs Maul geschaut", wie es so schön, wenn auch etwas derb heißt. Weiters hat er jede Menge Umfragen, dank derer er dem Volk auf die Prozente schauen kann.

Was könnte so einen Vielwisser und Volksversteher veranlassen, auch noch Politikberater zu engagieren? Nichts für ungut, aber samma uns ehrlich: Trotz Berater ist die Politik nicht besser und das Volk nicht zufriedener geworden, eher im Gegenteil. Es schaut sogar so aus, als würden die Parteien nicht einmal Wahlniederlagen ohne Berater zusammenbringen.

Hier eine Theorie: Berater sind nicht da, um zu sagen: "Leute, ihr solltet unbedingt umsetzen, was ihr seit Jahr und Tag versprecht, dann werden euch die Wähler mittelfristig vertrauen." Das könnte der kleine Mann von der Straße genau so gut erklären, und der macht’s sogar ohne Honorar.

Laut unserer unbestätigten Theorie geht es bei Beratern um etwas anderes. "Los, suche einen Dreh, wie man den Leuten den ewigen Topfen, den wir vor den Wahlen an die Plakatwand malen, wenigstens noch einmal schmackhaft machen könnte! Und erfinde einen Zauber, der uns ehrlich bis zum Gehtnichtmehr und die Gegner alt ausschauen lässt ..."

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/aufgespiesst/Den-ewigen-Topfen-noch-einmal-schmackhaft-machen;art10213,2696442
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