20. September 2017 - 00:04 Uhr · Ali Grasböck · Aufgespießt von Ali Grasböck

Damit die Magensäure unten bleibt

Leserin Waltraud L. beklagt sich über die Ödnis vieler Wahlwerbungen: "Auf meinem Weg von und in die Arbeit muss ich ca. 400 Plakate täglich sehen – da kommt einem schon die Magensäure hoch."

Ein weitgehend unbekannter Dichter hat das einmal so beschrieben: "Dauernd glotzen Rieseng’sichter von praktisch jedem Straßenrand / Dazu ein Text, ein ziemlich schlichter, ich wünsch’ mir eine Sichtschutzwand!"

Damit die Magensäure unten bleibt, geht es in dieser Kolumne um etwas anderes. Wir setzen nach längerer Pause die lose Serie "Weil Österreich einfach zu groß ist" fort. Diese Serie beschäftigt sich mit der Frage, ob wir mit weniger als elf Regierungen (Brüssel, Wien, neun Länder) auskommen könnten. Theoretisch meinen ja viele Steuerzahler, das sei zu teuer.

Es geht das Gerücht um, Österreich sei im Grunde kein großes Land. Auf einem Globus wirkt es so klein, dass man Zwutschkerl dazu sagen könnte, wenn es nicht um unsere liebe Heimat ginge. Wäre Mr. Trump unser Präsident, würde er den Globus als Fake verdammen und die Hersteller niedertwittern, bis ihnen die Grausbirnen aufsteigen.

Das bleibt uns erspart, nicht aber die Frage, ob Österreich groß genug für elf Regierungen ist. Diesbezüglich gibt es seit ewigen Zeiten einen Hinweis: Österreich ist groß genug für neun Jugendschutzgesetze. Damit ist gewährleistet, dass die Flachland-Kids im Burgenland nicht mit der Tiroler Hochgebirgsjugend in einen Topf geworfen werden. Und der vielversprechende OÖ-Nachwuchs nicht mit jenem in Kärnten.

Trotzdem gab es immer wieder Forderungen, ein einheitliches Gesetz müsse her, aber die Länder konnten sich in ca. 431 Anläufen nicht einigen. Doch im Jänner dieses Jahres ertönte ein Paukenschlag: Jetzt packen wir’s!

Auch der 432. Anlauf ist still im Sand verlaufen. Irgendwann werden sie den 433. starten, und wer sollte das tun, wenn’s nicht genug Regierungen gäbe? Am Rande wird klar, was Ankündigungen wert sind. Falls Sie jetzt doch an den Wahlkampf denken: Das mit der Magensäure tut uns leid.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/aufgespiesst/Damit-die-Magensaeure-unten-bleibt;art10213,2683405
© OÖNachrichten / Wimmer Medien · Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
Bitte Javascript aktivieren!