17. Mai 2017 - 00:04 Uhr · Ali Grasböck · Aufgespießt von Ali Grasböck

Billiger kann sie’s nicht machen

Es lag wohl am Muttertag, dass jemand ausgerechnet hat, die Frauen in Deutschland würden 54 Milliarden unbezahlte Arbeitsstunden pro Jahr leisten.

Der Wert dieser Arbeit, wenn sie bezahlt werden müsste, wurde in einer Schlagzeile so beziffert: "Hausarbeit von Frauen mehr als eine Billion Euro wert."

Ähnliche Berechnungen gab es gelegentlich auch in Österreich, doch leider hat niemand Anstalten gemacht, das Geld springen zu lassen. Wer käme denn als Zahler in Frage? Die jeweiligen Männer? Nehmen wir die Sache mit Humor und stellen wir sie uns so vor:

Er kommt nach Hause und wird mit einer Rechnung begrüßt. "Schau, Schatzi, das war heute eine Stunde Bügeln und eine Stunde gemischte Hausarbeit (Geschirr wegräumen, Staubsaugen etc.) sowie eine Stunde Kochen. Macht 45 Euro brutto, Liebling. Billiger kann ich’s wirklich nicht machen, weil mir davon die Finanz ein Drittel Einkommenssteuer herunterreißt. Aber das Kuscheln bleibt gratis."

Kaum ist diese Theorie geboren, bäumt sich auch schon die Praxis auf und nervt mit lästigen Fragen. Wer zum Beispiel zahlt in einem Single-Haushalt? Oder was geschieht, wenn der Mann nicht zahlen kann?

Das schreit geradezu nach einem Einschreiten der Politik. Zahlen kann sie die Hausfrauenlöhne nicht, ohne das Budgetloch bis zum Erdmittelpunkt zu vertiefen. Stattdessen bricht ein Streit aus, sobald eine Seite "Den Macho- und Ausbeuterparteien ist die Frauenarbeit nichts wert!" brüllt und die Gegenseite mit "Ohne Gegenfinanzierung geht gar nichts!" zurückschießt.

Das geht so weiter, bis alle nur mehr gähnen, doch unser theoretisches Paar hat das Problem bereits gelöst. Nachdem sie 45 Euro verrechnet hat, legt er seine Liste vor: 45 Euro für Rasenmähen, Autopflege sowie Erschwerniszulage für die nervliche Belastung im Morgenstau. Das hebt sich gegenseitig auf, alles paletti!

Später gibt es ein wenig Zank wegen der Sache mit der Hausarbeit. Sie ist der Ansicht, im Grunde wären solche Berechnungen für den Hugo. Er hingegen meint, sie wären für die Würscht.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/aufgespiesst/Billiger-kann-sie-s-nicht-machen;art10213,2569663
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