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Kopfhörer

Am Ende eines Jahres zieht man gerne Bilanz, blickt zurück und erinnert sich. Wir erinnern uns deshalb neben aktuellen Veröffentlichungen auch an Alben, die es im Überfluss des Angebotes nicht geschafft haben, zur Zeit ihrer Veröffentlichung wirklich durchzudringen, die es aber verdienen würden, Gehör zu finden. Lieber spät als gar nicht.

Gabe Dixon „One Spark“ (Concord/Fantasy)

Als Radio-Piano-Pop vom Schlage Elton John oder Billy Joel wird Gabe Dixons Solo-Debüt von der Plattenfirma gepriesen. Nun, das erhöht die Aufmerksamkeit, aber auch die Erwartungshaltung. Doch dann, die Überraschung. Gabe Dixon braucht den Vergleich mit den Superstars nicht. Der Sänger und Songwriter aus Nashville hat eine erfrischende Art, sich in wunderbaren Melodien abseits ausgetretener Pfade auszudrücken, verfällt nie in balladeske Langeweile, sondern bleibt immer kraftvoll Herr des Geschehens. Der Verführer mit feinen Arrangements und hoher Musikalität hat zwölf Songs von zeitloser Güte ins Rennen geschickt, die lange nachwirken. Und wenn man nach dem Grund für den Vergleich sucht, wird man schon fündig. „Running on fumes“ würde Billy Joel alle Ehre machen, denn Dixon dreht das Rad munter weiter. Kurzkritik: Adult-Pop mit folkigen Versatzstücken, schön zum Hören, nicht so schnell aus dem Ohr zu kriegen. Anspieltipps: „Strike“, „My favorite“ 

Fatoumata Diawara „Fatou“ (World Circuit)

Manchmal braucht es nicht viel. Fatoumata Diawara erzeugt allein mit ihrer Stimme und ihrer Gitarre so viel Emotion, dass man ihr gespannt zuhört. Die in der Elfenbeinküste geborene, in Mali aufgewachsene und nun in Paris lebende Songwriterin spielt mit dem Geist Afrikas, ohne eine reine Gralshüterin zu sein. Sie ist sich ihrer Herkunft bewusst, hat aber auch diesen Blick auf die Welt, der „Fatou“ locker Grenzen überwinden lässt. Ihre Songs sind inspiriert, geerdet, Folk-Pop in afrikanischer Sprache und in westlicher Prägung. Hier verschmelzen Welten in einer Selbstverständlichkeit, einer Natürlichkeit, die lange nachwirkt. Anspieltipps: „Bissa“, „Wililé“

Gotye „Making Mirrors“ (Universal)

15 Millionen Klicks auf youtube – eine Zahl, die den Unterschied zwischen Insider-Tipp und Welteroberer macht. Der Song heißt „Somebody That I Used To Know“, sein Erfinder Gotye. Dahinter verbirgt sich Wally Da Backer, ein gebürtiger Belgier, der in Melbourne lebt und dort seine musikalische Sicht als Multi-Instrumentalist, Songwriter und Produzent auslebt. Mit „Making Mirrors“ darf man nun in seine Welt eintauchen, die höchst differenziert ist und viel Platz für vieles bietet. Pop, Soul, Klangspielereien, die mit dem Gewohnten brechen, und Balladen, die berühren, zeugen von einem Spektrum, das breit gefächert ist und für jeden etwas bietet. Anspieltipps: „Somebody That I Used To Know“, „In Your Light“

My Heart Belongs To Cecilia Winter „Our Love Will Cut Through Everything“ (Chop Records)

Also ehrlich: In der Schweiz vermutet man die Band mit dem eigenwilligen wie langen Namen nicht. Eher schon in England. Betty Fischer, Thom Luz und Kusi Gerber haben einen Hang für opulente Melodien, die gut inszeniert, aber nie aufgesetzt wirken. Die bunte Indie-Folk-Pop-Mischung, die sich in den 13 Songs ihres Debüts nach und nach Gehör verschafft, lebt von seiner Unberechenbarkeit. Immer dann, wenn man meint, man hätte den Stimmungsvergleich gefunden, ändern sich die Vorzeichen. Arcade Fire kommt einem in den Sinn. Bob Geldof in seiner starken Folk-Phase geistert vor dem Auge herum. Bright Eyes wähnt man zu fühlen. Da Romantik und melancholische Bedächtigkeit, dort Wildheit und fast dreckiger Rock. Nach der Traurigkeit kommt die große Lebensfreude daher. Irgendwie sind die Schweizer nicht zu greifen. Das ist gut so. Denn das macht ihre Musik interessant, hebt sie ab und ermöglicht immer wieder neue Entdeckungen. Anspieltipps: „Eighteen“, „Guide Me To The Starts“

Nica & Joe „Nica & Joe“ (Sony Music)

Brauchen Sie noch Musik, um garantiert unter dem Christbaum in der richtigen emotionalen Stimmung zu sein? Dann gönnen Sie sich das Album der beiden „X Factor“-Finalisten, die sich dank Casting-Show gesucht und gefunden haben. Zwei große klassische Stimmen singen große Hits von „The Power Of Love“ über „Nothing Else Matters“ bis „Stay“. So viel Gefühl wirkt. garantiert. Anspieltipp: „Built A Palace“

Parsons Thibaud „Transcontinental Voices“ (Blue Rose)

Joseph Parsons und Todd Thibaud sind zwei Storyteller, die sich im harmonischen Folk-Rock zu Hause fühlen. Jeder für sich und doch gemeinsam. Vor vier Jahren traten die beiden Urgesteine des Blue Rose-Labels erstmals gemeinsam auf einer CD auf. Nun legen sie im Duo nach. Schöne Lieder über das Leben, von einer gewissen Weisheit und Gelassenheit getragen, erdig und einschmeichelnd. Anspieltipps: „Broken Sparrow“, „All That I Can Do“

Eloui „Chasing Atoms“ (EMG)

Dass sie eine Freundin der Melancholie ist, kann die Sängerin, Songschreiberin und Multiinstrumentalistin Eloui nicht verhehlen. Das will sie auch nicht. Ihre feine Stimme passt wunderbar zu den feinsinnig gedachten Arrangements ihrer Songs, die auf „Chasing Atoms“ ein Statement der Stärke geben. Die Musikerin weiß, was sie tut, sie hat ihren Ausdrucksstil, der betörend wie zerbrechlich, intensiv wie prägnant ist. Man benötigt zwar ein wenig, um sich in dieser melodie- und harmoniefreundlichen Umgebung zurechtzufinden. Doch hat Eloui erst einmal die Aufmerksamkeit erregt, dann bleibt man an ihren Lippen hängen. Musik, die sich langsam entfaltet, dann aber blüht. Anspieltipps: „OwlOn My Windowsmill“, „Tornado“

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Artikel Reinhold Gruber 23. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
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