Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Montag, 18. Dezember 2017, 15:35 Uhr

Linz: 1°C Ort wählen »
 
Montag, 18. Dezember 2017, 15:35 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Der Eigensinn des Alten

Adalbert Stifter hatte es in seinen letzten 15 Lebensjahren nicht leicht. Das anfangs mit Enthusiasmus angetretene Amt eines Landesschulinspektors bereitete ihm mehr Verdruss als Freude, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und seine späten literarischen Werke fanden nur wenig Anerkennung.

Der Eigensinn des Alten

Bild:

Die Romane „Der Nachsommer“ und „Witiko“ wichen allzu radikal von den Erwartungen ab.

Der Blick auf Stifters Spätwerk hat sich grundlegend verändert. Friedrich Nietzsche war einer der Ersten, die den „Nachsommer“ als außergewöhnliches Kunstwerk würdigten, Thomas Mann erkannte das Eigentümliche an Stifters Prosa, und heute untersuchen Literaturwissenschaftler das Spätwerk unter dem Aspekt einer eigenwilligen, unauffällig radikalen Modernität. Der Verlag „Jung und Jung“ leistet zur Rezeption des späten Stifter einen begrüßenswerten Beitrag. In den sorgfältig gestalteten Stifter-Band „Nachkommenschaften. Späte Erzählungen“ hat Herausgeber Karl Wagner nicht nur die Erzählungen „Nachkommenschaften“, „Der Waldbrunnen“, „Der Kuss von Sentze“ und „Der fromme Spruch“ aufgenommen, sondern auch die großartige Natur- und Seelenstudie „Aus dem bayrischen Walde“, Stifters „Winterbriefe aus Kirchschlag“ und den autobiografischen Essay „Mein Leben“.

Das Buch ist allen zu empfehlen, die sich nicht nur für den biedermeierlichen Modeautor der vierziger Jahre interessieren, für erfolgreiche Erzählungen wie „Bergkristall“ oder „Brigitta“, sondern die auch den schwierigen, künstlerisch eigensinnigen und manchmal auch absurd-witzigen Alten genauer kennenlernen möchten. Das kluge Nachwort des Herausgebers erleichtert den Zugang.

Das Buch: Adalbert Stifter: „Nachkommenschaften. Späte Erzählungen“, Jung und Jung, 360 Seiten, 24 Euro. OÖN-Bewertung: Sechs von sechs Sternen

Kommentare anzeigen »
Artikel 09. Mai 2012 - 00:04 Uhr
Mehr Literatur

Mörderische Spiele mit Edgar Allen Poe

Ein Serienmörder, viele Spuren, ein Privatdetektiv, der seiner Auftraggeberin mehr als nur sympathisch ...

Die Rückkehr ans Ufer der eigenen Jugend

Sten Nadolnys „Weitlings Sommerfrische“ ist eine prächtig konstruierte Reise in die eigene Vergangenheit.

Der Islam als österreichische Realität

Der Islam ist in Österreich seit 100 Jahren gesetzlich anerkannt.

Am Obduktionstisch

Wenn Sie spektakuläre Fotos von Leichen und viele gruselige Geschichten suchen, dann ist es das falsche ...

Schockierende Ermittlung

Wenn ein Kriminalkommissar aus dem Nähkästchen plaudert, braucht der Leser gute Nerven.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!