Woher kommt das Schnitzel auf meinem Teller, der Putenstreifen auf meinem Salat? Und vor allem: „Womit füttere ich da eigentlich meinen Körper? Mit Kraft und Energie, sagt die Werbung. Mit Antibiotika und Darmbakterien, sagt Jonathan Safran Foer.
Die Geburt seines ersten Kindes hat den New Yorker Schriftsteller zum Nachdenken bewegt: „Was ist Fleisch? Wo kommt es her? Wie wird es produziert?“
Die Antworten auf diese Fragen musste er lange und intensiv suchen, vor dem Ergebnis graut dem Schreiber und seinen Lesern gleichermaßen.
Denn Foer verbannt das glückliche Schwein und das fröhliche freilaufende Huhn ins Reich der Märchen, mit denen uns die Fleischindustrie ruhigen Schlaf garantieren will.
99 Prozent des verzehrten Fleisches kommen in den USA und in Deutschland aus Massentierhaltung. Weltweit stammen etwa 450 Milliarden Landtiere aus Massenbetrieben. „Die Massentierhaltung ist, ähnlich wie die Pornografie, schwer zu erklären, aber leicht zu erkennen“, schreibt Foer.
„Schlimm“ und „Grausam“ – nicht nur Tierrechtsaktivisten fallen derartige Begriffe dazu ein.
Doch die Fakten, die Foer mühsam recherchierte, nachdem er durch die „Mauer des Schweigens“, die ihm die Industrie entgegensetzte, durchbrochen hatte, gehen weit über bekannten Schrecken hinaus.
Leiden ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel: Eng zusammengepfercht, zuerst in völliger Dunkelheit und knapper Nahrung, dann mit künstlichem Licht und Futter in den künstlichen Frühling geschickt und damit die dauernde Produktivität verbannt, fristen die Hühner ihr Dasein – Tote, Kranke und jede Menge Deformierte unter ihnen. Am 42. und immer öfter bereits am 39. Tag werden Masthühner geschlachtet. Puten sind so überzüchtet, dass sie von alleine nicht mehr stehen können, Schweine in so enge Buchten eingequetscht, dass sie sich nicht bewegen, geschweige denn umdrehen können.
Eingriffe ohne Betäubung sind in der weltweiten Tierhaltung ohnehin gang und gäbe: Schnabel kürzen, Schwanz kupieren, Zähne schleifen, Hoden aus dem Körper reißen.
Und als ob das Leben nicht schlimm genug wäre, wartet am Ende jedes Nutztier-Lebens die Schlachtung. Häutung und Zerteilung von Rindern bei lebendigem Leib sind dort keine Einzelfälle, das automatisierte Töten fordert auch unter den Angestellten Opfer – die ihrer grausamen Tagesbeschäftigung mit noch mehr Grausamkeit an den Tieren begegnen.
Die Schlachtung ist auch der Vorgang, bei dem die Ungleichen gleich werden: nämlich die gesunden und die bakterienverseuchten Hühner. Die industriellen Schlachtstraßen samt ihren Brühbädern und Vertikalschnittmaschinen fördern den Flüssigkeitsaustausch zwischen kranken und gesunden Hühnern. 50 Milliarden Vögel leben und sterben jedes Jahr so. Sechs Millionen von ihnen in der Europäischen Union.
Schreck und Philosophie
„Tiere essen“ ist eine vorsichtige Annäherung an ein Thema, die sich zur bitteren Anklage wandelt, ein autobiografisch und persönlich gefärbtes Sachbuch, das in seinen drastischen Faktenschilderungen erschreckt und abschreckt. Ein intelligent verhandelndes Werk, dass den Leser an moral-philosophischen Betrachtungen über den Wert eines Tieres und die Entfremdung von der Natur knabbern lässt.
Veränderter Blick
Foer serviert in seinen Geschichten über die Kulturform Essen literarisch anspruchsvoll Allgemeingültiges auf Augenhöhe und als Häppchen zwischendurch immer wieder eindrucksvolle Versuche, mit modernen Mitteln ungeheure Zahlen zu verdeutlichen: Zum Beispiel, dass in einer typischen Legebatterie jedes Huhn 0,043 Quadratmeter zur Verfügung hat. Die meisten freilaufenden Hühner in den USA haben ungefähr genauso viel Platz – und entspricht fast exakt der Fläche des Bildes, das sie auf dieser Zeitungsseite sehen.
Essen ist politisch. Das betont auch Jonathan Safran Foer: „Sobald wir unsere Gabeln heben, beziehen wir Position.“ Und so gilt „Tiere essen“, obwohl sich die Beispiele und Zahlen zumeist auf die USA beziehen, auch hierzulande. Foer fordert von seinen Lesern keinen totalen Fleischverzicht, sondern lediglich die Bewusstseinsbildung, Aufklärung und eine Verhaltensänderung – so betont er, dass, wenn die Amerikaner auf nur eine einzige Fleischmahlzeit pro Woche verzichten würden, das für die Umwelt den gleichen Effekt hätte, wie wenn fünf Millionen Autos weniger unterwegs wären. Wer Foers Argumentation allerdings folgt, findet eine vegetarische Lebensweise als sicherste Alternative.
Eingangs schreibt Foer, dass Geschichten über das Essen auch Geschichten über uns, unsere Werte, unsere Identität und unsere Gesellschaft sind. Die Geschichte, die er über das Essen von Tieren geschrieben hat, verändert nachhaltig – zumindest den Blick auf Fleisch.
Das Buch
Tiere essen: Jonathan Safran Foer, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 399 Seiten, 20,60 Euro
jährlich das Leiden von mehr als 450 Millionen Tieren und bringt sowohl Menschen wie auch die Umwelt in Gefahr. Ohne Fleisch lebt man länger und gesünder ! Vegetarier erleiden seltener Herzinfarkte als Fleischesser und haben im Vergleich ein um 40% geringeres Darmkrebsrisiko. Der übermäßige Fett- und Proteingehalt des Fleisches steht auch mit anderen Krebsarten sowie mit Fettsucht und Schlaganfall in Zusammenhang.
..und wurstesser und hab auch nicht vor dies zu ändern. hab schon etliche körndlesser und vegetarier meines alters überlebt. geb zu ich ess nimmer so fett wie früher, obwohls mir schmecken würde. auch unter den medizinern gibts selten vegetarier.
morgen gibts bei mir ein rehragout, mit kohlsprossen und einen serviettenknödl.
und jetzt vergönn ich mir grad ein bauerngselchts mit schwarzbrot und kren und a guate halbe bier dazu. natürlich brauch ich dann an fettspalter, wahrscheinlich wirds a guata zirbenschnaps.
Ein Gedicht, das ich vor vielen Jahren geschrieben habe: "Tiere" Ich bin Vegetarier...
Tiere
Ich liebe all die Tiere,
besonders wenn sie klein
und schiebe einen Braten
ganz schnell ins Backrohr rein.
Ich liebe viele Tiere,
verbrauche sie nach Lust,
verbanne sie in Ställe,
für sie doch sorgen muß!
Ich liebe manche Tiere,
die andern sind mir Last,
nur ich bestimm darüber,
was man noch leben läßt.
Ich liebe wenig Tiere,
der Mensch doch Krönung ist,
er geht doch nicht auf vieren
und er nicht ständig frißt.
Ich liebe keine Tiere,
sie sind nicht brüderlich,
versteh nicht ihre Sprache,
ich meß nur ihr Gewicht.
Das Fühlen längst verdorben
seit dem Paradies,
als der Mensch begonnen
und er den Bruder drischt....
Ingonda Lehner
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