War der Einsatz der Atombomben gegen Hiroshima und drei Tage später gegen Nagasaki militärisch zu rechtfertigen? An dieser Frage scheiden sich bis heute die Geister. Die offizielle Antwort in den USA lautete noch unter Bill Clinton: Mit den Bomben wurde das Kriegsende erzwungen und eine verlustreiche Invasion in Japan verhindert. Aber schon unter den US-Militärs gab es Gegner des Einsatzes. Für sie war Japan de facto besiegt, zumal die Kriegserklärung Moskaus an Tokio absehbar war. Historiker sehen in den Atombombenabwürfen auch ein Signal an die Sowjets.
Um diese und weitere Fragen kreist das Buch von Florian Coulmas, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio. Den Schwerpunkt des informativen Bändchens bildet aber die Nachgeschichte: die unterschiedliche Erinnerung in Japan und in den USA, in Wissenschaft, Literatur, Film und Schule.
Es bleibt nur eine Kritik am Buch: Trotz einer Wort-Herkunfts-Erklärung (S. 104) ist die Verwendung des Begriffs „nuklearer Holocaust“ (S. 87) heute eher missverständlich und unangebracht. (nie)
Das Buch
Florian Coulmas:
„Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte.“ Verlag C.H.Beck, 128 Seiten, 9,20 Euro.
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