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Rechte Frauen: Hakenkreuz auf der Brust

Ihre Brust ziert ein Hakenkreuz, getragen von zwei Schwingen. Marisa ist stolz darauf, Teil einer rechtsradikalen Gruppierung zu sein. In seinem neuen Film „Kriegerin“ porträtiert Regisseur David Wnendt die Menschen hinter den Hass-Tiraden.

Rechts oder links, radikal oder liberal – eine schwerwiegende Entscheidung, die das Leben der politisch engagierten Hauptfiguren des deutschen Neonazi-Dramas „Kriegerin“ bestimmt. Regisseur David Wnendt, aufgewachsen in Islamabad, Prag und Meckenheim, skizziert detailgetreu den Alltag einer rechtsradikalen Gruppierung – aus ungewöhnlicher Perspektive, nämlich der einer jungen Frau.

Die 20-jährige Protagonistin Marisa (Alina Levshin) wächst mit ihrer Mutter in einem kleinen Dorf in Ostdeutschland auf. Früh übt der geliebte Großvater Einfluss auf das kleine Mädchen aus, übernimmt die Vaterrolle. Immer mehr wird sie von dessen rechtsradikalem Gedankengut indoktriniert. Ein unsicherer Charakter entspringt, verfällt in einen bizarren Zustand aus Liebe und Hass. Liebe für das Vaterland, für die Familie und für den Freund, einen verurteilten Rechtsextremisten. Hass für all diejenigen, deren Hautfarbe einen Migrationshintergrund vermuten lässt, für Politiker und die gesamte Gesellschaft.

Zwischen roher Gewalt, hemmungslosem Sex und neonazistischen Parolen treibt Marisa ihr Unwesen, tyrannisiert schonungslos ihre Mitmenschen. Die Kamera folgt ihr dabei. Ohne Filter, ohne Weichzeichner. Dem Zuseher wird eine Welt vor Augen geführt, die schockiert und doch fasziniert. Die Anteilnahme am Leben des jungen Mädchens, das in ihrer Rolle als „Skingirl“ die erbarmungslose Kriegerin mimt, wächst mit jeder Minute. Spätestens als ein junger Asylant auftaucht und Marisa anfängt, Konsequenzen aus ihren Taten zu ziehen, wird klar – es steckt mehr in ihr. Sie wagt eine mutige Wandlung, die ein jähes Ende nimmt.

Reale Milieustudie

Eindringliche Bilder, starker Tobak. Wnendts Darstellung der rechten Szene ist keine Verurteilung. Der Regisseur schafft eine Balance zwischen Entsetzen und Verständnis, beispielsweise durch die Inszenierung eines brutalen Wutausbruchs gegen Asiaten, der wenig später durch zärtliche Momente im Krankenhaus gebrochen wird. Entstanden ist eine reale Milieustudie, die nicht zuletzt durch authentisches Schauspiel eine unbequeme Wahrheit zeigt.

 

Mehr zum Film

OÖN-Filmkritik von Ludwig Heinrich

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 23. Februar 2012 - 00:04 Uhr
Evelyn Baier
Bild vergrößern Junge Frauen im Netz des Rechtsextremismus

Das Neonazi-Drama »Kriegerin« ist ab Freitag im Kino zu sehen.  Bild: Luna Film

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