Für die Darstellung eines Neonazi-Mädchens erhielt sie den Förderpreis Deutscher Film, und die Jury lobte ihre „atemberaubende Wandelbarkeit in Gesicht, Sprache und Körperlichkeit“. Ab Freitag ist die 27-jährige Alina Levshin als „Kriegerin“ in den österreichischen Kinos zu sehen.
Die junge Dame stammt aus Odessa, spricht perfekt Deutsch und Russisch. Sie war sechs, als sie mit den Eltern nach Berlin kam. „Da meine Mutter schon immer der Kultur zugeneigt war“, erzählt Levshin, „hatte sie auch nichts dagegen, dass ich Mitglied des Kinderensembles im Friedrichstadt-Palast wurde. Bis Herbst 2010 studierte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam.
Schon im zweiten Studienjahr bekam sie, als russische Prostituierte, in Dominik Grafs Fernsehserie „Im Angesicht des Verbrechens“ eine Chance, seit eineinhalb Jahren befindet sie sich „auf freier Wildbahn“. Dort erreichte sie auch das Drehbuch zu „Kriegerin“, eine Geschichte, die zur Zeit der rechten Mordbanden in Deutschland natürlich von höchster Aktualität ist.
Levshin: „Ein fabelhaft geschriebenes Buch, sehr brutal. Und eine Hauptfigur mit vielen Facetten. Ich begann sofort, mich mittels Dokus und Spielfilmen mit der einschlägigen Szene zu beschäftigen, zudem hatte unser Regisseur David Wnendt zwei Jahre lang intensive Recherchen betrieben und auch eine junge Frau aus einer rechten Partie interviewt. Zuvor war mein Bild schwammig gewesen, dieses Interview hat mir neue Ebenen geöffnet. Wichtig auch, dass ich sehr viel Körperlichkeit reinbringen konnte.“
Der Opa, ein alter Nazi
Der Lebensentwurf der Hauptfigur Marisa beruht auf ihrem Verhältnis zum Großvater: „Es ist besser als das zu ihrer Mutter. Mit dem Großvater, einem alten Nazi, ist sie ein Herz und eine Seele, daher glaubt sie ihm auch, wenn er erzählt, wie es ‚damals wirklich war‘. Wird schon stimmen, denkt sie. Das ist leider ein Trugschluss.“
Im Supermarkt, den die Mutter im Film besitzt, betrieb Alina Levshin Milieustudien: „Wir drehten in einer eintönigen Gegend in Schleswig-Holstein. Die Leute mussten anhand der Typen, die sich über einen längeren Zeitraum vor der Kamera bewegt hatten, mitgekriegt haben, worum es hier ging. Doch das bewegte sie kaum. Solche Typen nahmen sie auch in der Wirklichkeit in Kauf. Wenn sie bei ihren Parties nicht zu laut wurden, hat man sie offensichtlich als ‚ganz normal‘ akzeptiert.“
Gerade deshalb hofft sie, dass die „Kriegerin“ nicht so schnell vergessen wird: „Und sei es nur, dass die Besucher mitkriegen, dass dieses ‚Da mische ich mich lieber nicht ein‘ die falsche Position ist.“
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