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Musical "Cats": Das alte Katzenfell hat seinen Glanz verloren

30 Jahre nach der Weltpremiere streunen Andrew Lloyd Webbers Katzen wieder durch Wien, wo „Cats“ 1983 erstmals in deutscher Sprache aufgeführt wurde. Das Fell hat seinen Glanz verloren, Erinnerung und Nostalgie bürsten es zurecht.

Katzen werden neun Leben nachgesagt. Die schnurrende Schar, die sich auf der Müllhalde im Theaterzelt in Neu-Marx in Wien tummelt, verharrt im ersten Dasein. Die Tourneeshow klebt an der Originalinszenierung am Londoner Westend und hält an den alten Catsuits fest, die heute nur noch Skirennläufer zum Zweck der Windschlüpfrigkeit tragen.

Keine Pfote wurde im Sinn einer Neuinterpretation gerührt. Dementsprechend altbacken kommt das Stück, das auf T. S. Eliots 1939 erschienenem „Old Possum’s Book of Practical Cats“ basiert, über die schräge, dem Publikum nahe gehende Rundbühne. Nichts geändert hat sich auch an der dramaturgischen Schwäche, die eine qualitativ variierende Nummernrevue ohne zwingende Handlung nun einmal mit sich bringt.

Dem nostalgischen Gemüt schmeicheln klassische Melodien, die sich so festgekrallt haben, dass sie der Lauf der Zeit nicht abschütteln konnte. Wenn die Mistgstättn-Tiger zu „Jellicle-Songs für Jellicle-Katz“ ihren Charakteren den tierischen Lauf lassen, Rum Tum Tugger wie eine Symbiose aus Michael Jackson und Frank N’ Furter herumschwänzelt, Mr. Mistoffelees als miauender Derwisch verzaubert und die räudige Grizabella schicksalsschwanger in „Erinnerung“ („Memories“) schwelgt, sind die bewegenden Momente des Abends markiert.

Die stimmliche Güte des Katzenvolkes reicht nicht immer an die vollendete tänzerische Leistung heran, die akrobatisches Geschick famos mit den typischen Bewegungsmustern verwebt. Abgesehen davon, dass ein Zelt kein akustischer Traumraum ist, stört in den musikalisch ruhigeren Teilen das Dauergeräusch der Beheizungsanlage empfindlich.

Der Mensch mag kritisch den Buckel machen – aber Katzen würden Karten kaufen.

 

„Cats“: Musical von Andrew Lloyd Webber, Theaterzelt in Neu-Marx in Wien (Premiere, 2. 2.)

OÖN-Bewertung: drei von sechs Sterne

 

Info:

bis 28. Mai, Karten u.a. OÖN-Ticket-Hotline 0732 / 7805 805

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 04. Februar 2012 - 00:04 Uhr
Bernhard Lichtenberger
Bild vergrößern Das alte Katzenfell hat seinen Glanz verloren

Die räudige Grizabella schwelgt in Erinnerung.  Bild: Reuters

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