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Linzer Tabakfabrik: Bitte warten!

Ein Garderobenständer ist um wohlfeile 8 Euro zu mieten – bei kultureller Nutzung. Bei kommerzieller Nutzung kostet ebendieses wichtige Utensil gar 18 Euro. Kleidung von Kulturgenießern hängt also billiger als jene von Clubbing-Besuchern.

Dies ist ein nur kleiner, aber nicht unwesentlicher Aspekt bei der so genannten Zwischennutzung der ehemaligen Linzer Tabakfabrik. Es gibt nun seit geraumer Zeit im Internet für alle Interessierten abrufbare Nutzungstarife für das riesige Areal der Fabrik an der Linzer Donaulände. Noch ein Beispiel gefällig? Der Tagessatz für Bau II beträgt pro Geschoß 150 Euro (kulturell) bzw. 1500 Euro (kommerziell). Sondertarife sind extra auszuhandeln.

Nun, was war in der Tabakfabrik zu erleben? Im Sommer gab es dort ein Fahrradboten-Rennen (ja, das gibt es!), eine Einkaufskette hat ein Clubbing veranstaltet, im September war die Kammeroper „Das Tagebuch der Anne Frank” zu sehen, die Linzer Kunst-Uni hat die Ausstellung Studierender „best off“ bis Ende November im Gebäude untergebracht. Zuletzt gab es die Verleihung der Werbepreise Cesar.

Nun haben sich Vertreter der freien Szene – theaternyx, Red Sapata, umbauwerkstatt, Kulturquartier Tabakwerke, oberösterreichische Kulturplattform Kupf – zusammengetan und unter dem Motto „Wollen wir wirklich Tabakfabrik?“ am vergangenen Wochenende in der Fabrik gemeinsam nachgedacht, was denn eine kulturelle Zwischennutzung tatsächlich bedeuten könnte. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst: „Wir wollen Tabakfabrik probieren!“ Aber: Die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppierungen sind sehr unterschiedlich, die Politik müsste sich grundsätzlich bereit erklären, kulturelle Vorhaben zu unterstützen. Nicht jedoch Einzelereignisse, sondern mittelfristig gesehen die permanente Nutzung eines kleinen Teils der Fabrik im Umfang von etwa 800 Quadratmetern. Und, nicht zu unterschätzen, das wichtigste Ergebnis dieses zweitägigen Workshops: den Diskussionsprozess um das Gebäude wieder in Gang zu bringen. Das ist auch notwendig, denn es ist schon wieder verdächtig ruhig geworden um das leerstehende Gebäude.

Zur Erinnerung: Im Juni 2009 hat die Stadt Linz die Ende 2007 geschlossene Tabakfabrik gekauft. 17 Millionen Euro war der Stadt dieser denkmalgeschützte Industriebau mit seinen insgesamt rund 80.000 Quadratmetern Nutzfläche wert. In Folge wurden einige Gremien eingerichtet, die über die künftige Nutzung nachdenken sollten. Gremien, zumeist besetzt mit Leuten, die ohnehin mit ihrem Brotjob genug zu tun haben und/oder die ein Naheverhältnis zur städtischen Politik haben. Bisher ist nicht viel dabei herausgekommen, eine eigenartige Resignation hat sich breitgemacht.

Eine Zwischennutzung im Sinne einer zielgerichteten Pioniernutzung findet noch nicht statt. Eine Zukunft des Areals ist nach wie vor offen. Trotzdem, oder gerade deshalb ist das einzigartige und riesige Areal und Gebäude-Ensemble Projektionsfläche für alle möglichen Interessen und Ideen.

„Wir sind interessiert, die Fabrik kulturell zu nutzen, aber nicht nur“, wird der Linzer Kulturdirektor Julius Stieber nicht müde zu betonen. Ähnliche Formulierungen mit genau derselben unverbindlichen Aussage hörte man seit Jahren von Stadtpolitikern jeglicher Couleur.

Der Linzer Kulturreferent Erich Watzl sieht bei der Tabakfabrik „kein geordnetes Vorgehen“. Das sei ein Beispiel mehr, „wie man in dieser Stadt mit Zukunftschancen umgeht“. Der Linzer Stadtbaudirektor Wolf-Dieter Albrecht hat in einem Statement folgendermaßen formuliert: „Die Stadt Linz hat die städtebauliche Chance genutzt und das 38.148 Quadratmeter große Fabrikareal erworben...“

Ja, stimmt. Doch wo sind bisher die Visionen für die vielzitierte städtebauliche Chance? Wo sind die Ideen für eine Mischnutzung des Areals? Wo sind die (Nach-)Denker, Visionäre und Planer, die ihre Leidenschaft, Professionalität und ihre Kreativität einbringen?

Albrecht hofft, dass „eine europäische Betrachtungsebene – insbesondere die Partnerschaft mit Europan – zur Klärung der anstehenden Neunutzung“ herangezogen werden kann. Europan ist Europas größte Wohn- und Städtebauwettbewerbsinitiative. Städte reichen Projekte ein, Architektenteams (bis 40 Jahre) liefern dafür Entwurfsstrategien und Konzepte.

Nun, dieser besagte Europan könnte tatsächlich ein neuer und dringend notwendiger Impulsgeber sein. Mitte Dezember werden die Ergebnisse des diesjährigen Europan-Wettbewerbes veröffentlicht. Die Stadt Linz hat immerhin an die 70.000 Euro in diesen europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb investiert, um Ideen für die Tabakfabrik zu bekommen. Das „Siegerprojekt soll auch in den Gesamtfahrplan für die Fabrik einfließen“, sagt Stieber.

Doch die verantwortlichen Politiker in der Stadt Linz sind hinlänglich mit der Swap-Affäre beschäftigt. Was ist dagegen schon so ein läppischer Industriebau, in dem ein komplett neues Stadtviertel entstehen könnte? Was ist schon eine städtebauliche Chance? Aussitzen, abwarten und stillhalten heißt offensichtlich auch hier die Devise.

1
Objektiv wie immer, die Frau Nagl........ · von roro4020 (9) · 07.12.2011 15:27 Uhr

Lobbyismus statt Journalismus.......weiter so, und bitte in die Lobbyistenliste von Potocnik, Diesenreiter und Co eintragen.....

(0)
2
? · von roro4020 (9) · 07.12.2011 15:24 Uhr
3
Ohne Geld ka Musi, · von observer (1406) · 07.12.2011 09:46 Uhr

da kommt jetzt bei der Tabakfabrik raus. Vielleicht kann man wenigstens die Erhaltungskosten des Gebäudes einspielen (ich glaub es nicht). Irgendwelche Förderungen für Projekte sind bei der derzeiten Lage der Finanzen sicher nicht drin, da muss wohl klar sein.

(1)
Artikel 07. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
Silvia Nagl
Bild vergrößern Linzer Tabakfabrik: Bitte warten!

Die Zeit läuft und läuft: Wo sind die Visionen und Ideen für die Linzer Tabakfabrik?  Bild: Vowe

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