Am 5. November wird Thomas Gottschalk zum vorletzten Mal „Wetten, dass..?“ moderieren. Auf der Wettcouch wird Hape Kerkeling sitzen. Das habe nichts zu bedeuten, sagt der 46-Jährige, das sei schon seit zwei Jahren vereinbart. Und trotzdem sieht es so aus, als beleuchte das ZDF Kerkeling, wo es nur geht – Europas größte Abendshow muss eine Lichtgestalt moderieren und kein Possenreißer, der 1991 als Parodist von Niederlandes Königin Beatrix berühmt und berüchtigt wurde. Am 6. November wird Kerkeling mit dem „Traumschiff“ über die Weltmeere gondeln, am 11. Dezember moderiert er „Menschen 2011“, den ZDF-Jahresrückblick. Sein Vorgänger bei dieser Sendung: Thomas Gottschalk.
Freundliche Naivität
Ab Sonntag macht Kerkeling nun den Reiseleiter mit Perücke durch 5000 Jahre Menschheitsgeschichte – nach 100 Drehtagen in einem Produktionszeitraum von zweieinhalb Jahren. Gut gelaunt, mit Augenzwinkern und freundlicher Naivität ist er Leonardo da Vinci, Englands Herrscherin Elisabeth I., Frankreichs Ludwig IX., Karl Marx oder Michail Gorbatschow. Kerkeling albert in den sechs Folgen trotzdem nicht herum. Entweder lässt man ihn nicht oder er will es nicht, weil der Samstagabend ein gehobenes Maß an Seriosität verlangt. Geschichte in Geschichten, lautet das Konzept – nicht Geschichte in Witzen.
In der ersten Folge ist Kerkeling auf der Suche nach uralten Kulturen, von denen die Menschheitsgeschichte für immer geprägt wurde. Er reist zu den Pyramiden in Ägypten, räkelt sich als Kleopatra, segelt auf dem Nil wie ein Pharao und taucht ein in die reiche Welt der damaligen Vorstellung des Jenseits. Er findet ein 5000 Jahre altes Rezept zum Bierbrauen – in Keilschrift. Die Erfindung der Schrift durch die Sumerer war der kulturelle Urknall der Menschheit. Ein anderer Meilenstein war der Monotheismus. Er hat seinen Ursprung bei den Juden, im Alten Testament. Kerkeling berichtet deshalb auch aus Israel und entschlüsselt, dass der Glaube an einen Gott – fast parallel – auf verschiedenen Erdteilen entstanden ist.
Bewerbung bei Loriot
Hape, der mit vollem Namen Hans-Peter Wilhelm Kerkeling heißt, ist Deutschlands liebster TV-Spezi. Das wollte er auch immer werden. 1977 bewarb sich der damals 12-jährige Sohn eines Tischlers und einer 1972 verstorbenen Floristin bei Loriot für die Rolle des mopsigen Kindes Dicki im Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Die Rolle bekam allerdings Katja Bogdanski. Er versuchte es fortan über die Ochsentour unterschiedlicher Talentwettbewerbe und gewann 1983 den damals erstmals vergebenen Kabarettpreis „Scharfrichterbeil“. Von 1989 bis 1991 moderierte Kerkeling die deutsche Vorausscheidung zum Songcontest in der ARD. Die deutsch-österreichische Balgerei um Punkte bei dieser Veranstaltung verleitete ihn stets zur Begrüßung „… und auch an unsere Nachbarn in … Österreich“, die an die Begrüßung der DDR-Zuschauer im damaligen Westfernsehen erinnern sollte.
Hannilein bis Schlämmer
Hape Kerkeling spielt das Spiel, und er spielt es gut. Er schuf Figuren wie das „Hannilein“, das kecke Vorschulkind im Pumuckl-Look, oder „Horst Schlämmer“, den bei Stammtischen recht stilsicheren stellvertretenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. In seinen Figuren füllt er die Lücke zwischen Witz und Wahn.
Vor zehn Jahren nahm sich Kerkeling wegen gesundheitlicher Beschwerden eine Auszeit und pilgerte auf dem Jakobsweg. Sein Tagebuch wurde 2006 veröffentlicht: „Ich bin dann mal weg“ wurde ein Bestseller. „Ich bin dann mal unterwegs – in der Weltgeschichte“, sagt er zu Beginn der sechsteiligen „Terra X“-Staffel. Auf sein „Ich bin dann mal statt Gottschalk“ werden wir noch bis Mitte Dezember warten müssen.
3 Fragen an ... Hape Kerkeling
„Eine Vier“ sei Hape Kerkelings häufigste Schulnote in Geschichte gewesen. Nach den Dreharbeiten für „Unterwegs in der Weltgeschichte“ sieht er den Lauf der Zeit wie ein faszinierendes Aus- und Einatmen.
OÖN: Kann man die Geschichte von 5000 Jahre in sechs mal 45 Minuten erzählen?
Kerkeling: Was wir da machen, ist mutig, aber sicher auch vermessen. Deshalb haben wir versucht, die Geschichte auf ihre Essenz runterzubrechen. Wer waren die wesentlichen Individuen, die am Rad der Geschichte gedreht haben? Man hat das Gefühl, man erkennt Wellenbewegungen, es gibt Epochen der Öffnung, der Freiheit, der Erweiterung des Geistes, und dann gibt es wieder diese ganz engen Epochen. Es ist wie das Aus- und Einatmen.
OÖN: Haben Sie eine neue Lieblingsepoche entdeckt?
Kerkeling: Ohne es gewusst zu haben, bin ich der antiken griechischen Kultur relativ nahe. Mit ihrer Schönheit, die mir immer wieder Gänsehaut macht, auch mit ihren Philosophen, mit der Erfindung der Demokratie. Insofern hat mich Griechenland sehr beeindruckt. Und ... ja, die Vereinigten Staaten hab ich noch mal neu gesehen. Man vergisst immer, dass die USA so eine Art Geburtsstätte der Freiheit sind und dass die Französische Revolution dort wichtige Wurzeln hatte.
OÖN: Erinnern Sie sich an einen besonders skurrilen Moment während der Dreharbeiten?
Kerkeling: Wir standen vor der allerersten Pyramide, die gebaut wurde, der Djoser-Pyramide, und plötzlich kommt ein Ägypter und stellt uns seinen Esel vor. Er hatte uns deutsch sprechen hören. Der Esel hieß Bismarck – und so schließt sich dann wieder der Kreis der Geschichte.
Zur Person Hape Kerkeling
Hans-Peter (Hape) Wilhelm Kerkeling wurde am 9. Dezember 1964 in Recklinghausen geboren. Sein Vater stammte aus den Niederlanden und war Tischler, seine deutsche Mutter arbeitete als Floristin. Nach dem Tod der Mutter 1972 wuchs er bei seinen Großeltern auf. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er mit 17 in der Sendung „Talentschuppen“. Nach Kerkelings Abitur (1984) wurde Otto Waalkes auf die Begabung des jungen Kabarettisten aufmerksam und machte ihn mit den wichtigsten Leuten der Szene bekannt. Privat war Kerkeling 27 Jahre mit seinem Co-Autor Angelo Colagrossi zusammen. Die beiden trennten sich im März 2011.
fällt mir nur der Film "Kein Pardon" ein.
So und jetzt alle mitsingen:
Witzigkeit kennt keine Grenzen,
Witzigkkeit kennt kein Pardon... *g-ä-h-n*
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