Denen geht’s gut“, höre ich viele Vereinsfunktionäre über das oö. Blasmusikwesen sagen, „die kennen keine Nachwuchssorgen, die Jungen kommen von selbst.“ Stimmt. In manchen Orten drängen so viele Jugendliche zur Blasmusik, dass sie den Funktionären sogar organisatorische Probleme bereiten: Instrumente sollen bereitgestellt werden, schon bald sind Plätze im Orchester gefragt.
Glücklich schätze sich, wer solche Probleme hat. Blasmusik und Volksmusik sind dank Musikschulwerk die erfreulichsten Ausnahmen unter den vielen Sparten, die sich traditioneller Kultur widmen. Oberflächliche Argumente zählen nicht: Der Zauber der Montur allein wird Jugendliche nicht zur Bürgergarde locken, Jungjäger sind keine Nachwuchshoffnung für die Prangerschützen, Jugendliche zieht es zu anderen Freizeitbeschäftigungen als Flurdenkmalforschung und Kripperlbauen…
Außer man macht es ihnen schmackhaft. Es ist wie beim Essen: Wer als Kind patzigen Reis nicht schätzen gelernt hat, kann nicht verstehen, weshalb unzählige Asiaten ihn anderen Sorten vorziehen. Wer nicht schon in jungen Jahren miterlebt, welche Freude gemeinsames Singen bereitet, wird später kein Chorsänger. Erfolgreiche Funktionäre verstehen es, bisher Unbedarfte für ihre Interessen zu erwärmen. Ihnen gelingt es, Manager fürs Amateurtheater zu gewinnen, die selbstbewusste Geschäftsfrau zur Goldhaubengruppe zu bringen, Politiker zur Mundartrede zu verleiten, Kinder für den Trachtenverein zu begeistern.
Erfolgsgeheimnis: Motivation. Musterbeispiel: JHTV. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die „Jugend der Heimat- und Trachtenvereinigungen Oberösterreichs“. Fast 2000 Unter-30-Jährige aus den beiden oö. Trachtlerverbänden (Landesverband der Heimat- und Trachtenvereinigungen OÖ, Verband der Heimat- und Trachtenvereine Salzkammergut) haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsame Jugendarbeit zu betreiben. Junge Erwachsene kümmern sich um noch Jüngere. Heuer haben sie einen landesweiten „Motivationswettbewerb“ für Kinder- und Jugendtanzgruppen ausgeschrieben.
Angenehm enttäuscht
Wer nun erwartet, es würden hauptsächlich Kinder von aktiven Verbandsmitgliedern teilnehmen, wird angenehm enttäuscht: In der Kindertanzgruppe von JHTV-Leiter Stephan Aigner sind von 19 Mitgliedern nur drei Kinder von Vereinsmitgliedern. Es gelingt also, die Jugend für traditionelle Kulturformen zu gewinnen - wenn man sie zu begeistern versteht.
TIPP: Motivationswettbewerb am 22. 10., 13 Uhr, Volkshaus Bindermichl, Linz, www.landesverband-ooe.at
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