
Mit zwölf Nominierungen war „The King‘s Speech“ als großer Favorit ins Rennen gegangen – und krönte sich mit vier Oscars in den Königskategorien Hauptdarsteller, Film, Regie und Originaldrehbuch zum Gewinner des Abends. Damit triumphierte das klassische Hollywood, durch ein Drama, das Historie mit großartigen Schauspielleistungen verknüpft, ein Film, den Colin Firth selbst im OÖN-Interview so beschrieb: „Keine Action, kein Sex, dafür zwei Männer mittleren Alters mit langen Dialogen.“
Tradition schlug Innovation, das Gestern das Heute: David Finchers lange Zeit favorisiertes Facebook-Gründer-Porträt „The Social Network“ konnte nur drei der acht Nominierungen in goldene Statuen verwandeln.
Natalie Portman nahm sichtlich gerührt ihre (erwartete) Trophäe als beste Hauptdarstellerin für ihre Leistung in „Black Swan“ entgegen und dankte vor allem „meinem Choreografen Benjamin Millepied“, der ihr jetzt die wichtigste Rolle ihres Lebens schenke, wie sie mit einer Geste in Richtung ihres Babybauchs unterstrich.
Jüngere Show, jüngere Seher: Seit Jahren prägt dieser Wunsch der Veranstalter den Ablauf der Oscar-Verleihung. Im vergangenen Jahr durften deshalb Teenie-Stars wie Miley Cyrus Oscars vergeben. Dieses Jahr setzte die Academy auf das Moderatoren-Duo Anne Hathaway und James Franco, die zusammen noch keine 60 Lenze zählen. „Du siehst schick aus!“ war dann auch seine Begrüßung – „Und auch du siehst aus, als könntest du der jüngeren Zielgruppe gefallen“, ihre ironische Antwort.
Ansonsten mühten sich die beiden zwar redlich mit Kostümwechseln ab, doch selbst Francos Auftritt in pinkfarbener Marilyn-Monroe-Robe konnte nicht übertünchen, dass Programmpunkte anzusagen dem Schmäh wenig Platz ließ.
Der 94-jährige und nur mühsam sprechende Kirk Douglas stahl den beiden mit Leichtigkeit und Witz die Show. Robert Downey Jr. und sein „Sherlock Holmes“-Partner Jude Law empfahlen sich mit einem frechen und selbstironischen Wortwechsel gleich einmal um die Nachfolge als Oscar-Gastgeber.
Der König regierte bei der 83. Oscarverleihung, und so voraussehbar und wenig überraschend wie die Preisvergabe verliefen auch die Show und die meisten der Dankesreden. Nur der große Verlierer des Abends war nicht abzusehen gewesen: „True Grit“, ein anarchischer Western der Coen-Brüder, war mit zehn Nominierungen ins Rennen gestartet – und am Ende der Verleihung mit null Trophäen ausgezeichnet worden.
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