OÖN: Ist es etwas Besonderes, wenn man das Angebot erhält, eine historische Größe wie Sigmund Freud zu verkörpern?
Markovics: Grundsätzlich gibt es für mich wenig Unterschied zwischen einer fiktiven Person, die mich interessiert, und einer, die leibhaftig gelebt hat. Doch in diesem Fall kam etwas anderes dazu, nämlich eines der prägendsten Theatererlebnisse, das ich hatte, als ich 14 war. Ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Da sah ich an der Josefstadt „Berggasse 19“ mit Curd Jürgens und der noch blutjungen Mijou Kovacs.
OÖN: Waren Sie je in der Situation, dass Sie sich einer Therapie unterziehen mussten?
Markovics: Es gab Phasen in meinem Leben, wo mir das wichtig schien. Und es hat mir wirklich geholfen. Nicht nur für den betreffenden Anlass, sondern auch für das weitere Leben und damit für meine Arbeit. Die Therapien haben dazu beigetragen, mir vieles klarer und bewusster zu machen.
OÖN: Wie haben Sie beim Dreh zu „Mahler auf der Couch“ das Zusammenspiel der Genies empfunden?
Markovics: Die Situation war, vom Drehbuch her, von Anfang an ziemlich klar. Bei einem gut geschriebenen Drehbuch braucht man, wenn man es genau nimmt, keine andere Vorbereitung mehr. Da kann man sich auf den, der es geschrieben hat und es inszeniert, voll verlassen. Keine Vorbereitung der Welt kann derlei ersetzen. Nicht, dass ich Freud zu spielen hatte, fand ich wunderbar, sondern die Situation, dass keiner der beiden Herr im eigenen Haus war und dass sie einander auf der Durchreise begegneten, im kleinen holländischen Städtchen Leiden. Freud war gerade dabei, sich mit seiner Familie auf eine Ferienreise nach Sizilien vorzubereiten. Und weil er es einfach nicht mehr aushielt, kam Mahler mit wehenden Fahnen zum Termin, den er vorher zwei Mal abgesagt hatte. Die Begegnung fand in Wirklichkeit an einem Nachmittag statt, im Film wird sie auf die anschließende Nacht ausgedehnt. Sehr viele Quellen gibt es nicht, wir lassen die Situation im Raum. Nicht historisch, sondern als Denkmöglichkeit. Das beginnt mit einem vorsichtigen Abtasten und führt über einen gewissen Unwillen, leichten Ärger und Wutausbrüche zu tiefer Analyse und privater Vertrautheit, die ins Du-Wort mündet. Über diesen sehr schönen Bogen erleben wir die eigentliche Geschichte, nämlich die Beziehung zwischen Gustav und Alma.
OÖN: Was ist Alma in Ihren Augen? Nur eine Schlampe? Ein Promi-Groupie?
Markovics: Trotz des Films habe ich mir kein abschließendes Urteil gebildet. Vielleicht kann man das gar nicht. Ich habe mir beim Dreh aber oft vorgestellt, wie es wäre, wenn Alma auf der Couch läge. Bestimmt ist es kein Zufall, dass sie mit einigen der interessantesten Persönlichkeiten ihrer Zeit, die zum Teil noch gar nicht so arriviert waren, enge Beziehungen pflegte. Man darf dabei die Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft nicht vergessen. Die Kreise, in denen sie aufwuchs, waren nicht sehr liberal, eher äußerst beschränkt. Es gab eine Möglichkeit, auszubrechen, indem man sich die Richtigen „beschaffte“. Um etwas zu bekommen, was man nicht so leicht haben konnte. Irgendwie verstehe ich, dass eine so leidenschaftliche, faszinierende, spannende Frau mit einem hochbegabten, älteren Mann zusammenlebte und dabei auf ein erfülltes Leben hoffte, das sie als Anwalts- oder Hofratsgattin nicht gehabt hätte.
OÖN: Von Sigmund Freud, Gustav Mahler und Alma zu Karl Markovics. Wie geht es heuer weiter?
Markovics: Mit meinem ersten eigenen Kinofilm. Am 8. November beginnen wir. Ein spannendes, aufregendes Projekt, das mich derzeit vollkommen in Beschlag nimmt, und von dem ich mich gern in Beschlag nehmen lasse.
OÖN: Die Geschichte?
Markovics: Der Film heißt „Atmen“ und handelt von einem 18-jährigen Strafgefangenen, der als Freigänger einen Job bei der Städtischen Bestattung bekommt. Da muss er dauernd Tote abholen. Im Zuge dieser Tätigkeit trifft er auf seine Mutter, die ihn als Kind weggelegt hat.
Vater und Sohn räumen Schulden-Hof nicht
Rekordgewinn: General Motors hat Pleitegeier verscheucht
Marc Janko: „Ich habe das Debüt genossen“
Bricht Santorum die Sieges-Serie Romneys?