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Auf der Spur von Adolf Eichmann

Zu den aufsehenerregendsten Büchern Simon Wiesenthals zählt „Ich jagte Eichmann“ von 1961. Es ging um Wiesenthals Beitrag an der Suche nach Adolf Eichmann. Der in Linz aufgewachsene SS-Offizier hatte die Deportationen der europäischen Juden in die Vernichtungslager organisiert.

Heute wird in Dokumentationen und Spielfilmen meist die Rolle des israelischen Geheimdienstes Mossad betont, der Eichmann 1960 entführt und nach Israel gebracht hat. Liest man die Wiesenthal-Biografie von Tom Segev, erscheint die Rolle der israelischen Agenten – mit Ausnahme der Entführung – bescheidener.

Denn Wiesenthal hatte Israel bereits 1953 davon informiert, dass sich Eichmann in Argentinien aufhielt. Die Information wurde auch dem US-Geheimdienst CIA bekannt. „Doch in Washington wie in Tel Aviv war dies lediglich ein aktenkundig gewordenes, passives ,Wissen’, nicht jedoch ein aktives bewusstes“, schreibt Segev. Aber: „Die Behauptung, die Amerikaner hätten sich vorsätzlich jedweder Initiative zur Ergreifung Eichmanns enthalten, entbehrt jeder Grundlage. Ähnlich den Israelis hatten sie zum damaligen Zeitpunkt schlicht andere Prioritäten.“

Wiesenthal war indes bereits kurz nach dem Krieg aktiv gewesen, um Eichmann verhaften zu lassen. Auf seine Initiative hin sollte 1947 das Haus von Eichmanns Frau Vera in Altaussee durchsucht werden. Die Polizisten verwechselten zwar das Haus, wurden aber trotzdem fündig: In dem falschen Gebäude verhafteten sie mit Anton Burger einen anderen gesuchten NS-Täter.

Wiesenthal verhinderte zudem, dass Vera Eichmann ihren Mann für tot erklären konnte – was die Suche nach ihm womöglich hätte einschlafen lassen. 1949 legte sich schließlich die österreichische Polizei im Ausseerland auf die Lauer: Eichmann, so hieß es, würde seine Familie besuchen kommen. Man lud Wiesenthal ein, der Verhaftung beizuwohnen. Letztlich tauchte der NS-Verbrecher aber nicht auf.

Später schrieb Wiesenthal den Fehlschlag einem Israeli zu, der ihn ins Salzkammergut begleitet hatte. Dieser habe sich in den Wirtshäusern als Israeli zu erkennen gegeben, woraufhin Adolf Eichmann gewarnt worden sei. Allerdings gibt es laut Tom Segev verschiedene Versionen der Geschichte.

Die Ergreifung Eichmanns ist letztlich kein wirkliches Ruhmesblatt des israelischen Geheimdienstes: Erst das Drängen des in Argentinien lebenden Holocaust-Überlebenden Lothar Hermann und des deutschen Staatsanwalts Fritz Bauer führte zum Erfolg. Eichmann wurde danach in Jerusalem der Prozess gemacht. Er wurde 1962 für seine zentrale Beteiligung am Massenmord an den europäischen Juden hingerichtet.

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Artikel 09. September 2010 - 00:04 Uhr
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Eichmann in Jerusalem  Bild: Archiv

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