Welser-Mösts Zugang zu dieser Musik ist jedenfalls einer, der nicht lauthals schreiend oberflächlich Effekte erheischt, sondern der trotz weniger Proben versucht, die Klangfarbenästhetik dieser Partitur freizulegen. Dafür braucht man Zeit, die sich der Linzer Dirigent durchaus nimmt und manche Stellen sogar ungewöhnlich breit anlegt, aber wahrscheinlich damit der Partitur Puccinis am Nächsten kommt.
Allerdings fehlten an manchen Stellen einfach die großen Stimmen, die das ganze mit- trugen, die den großen Atem haben, um dann auch bei vollem Orchester, das zwar nie überzogen laut war, doch darüberzukommen. Und das mag so manch eingefleischtem Opernliebhaber, der nun seit beinahe 50 Jahren mit dieser Inszenierung am Stehplatz mit gelebt hat, abgegangen sein.
Haben doch in dieser Dekoration die größten Sänger des letzten Jahrhunderts reüssiert. Nun gibt es zurzeit keine Pavarottis, Carreras, Domingos, sondern junge hoch talentierte Sänger mit schöner Stimme, die - und das ist jetzt die Kunst eines Opernchefs - langsam an ihren Aufgaben wachsen sollen. Stephen Costello ist mit seinem lyrischen, aber mit sicherer Höhe ausgestatteten Tenor schon in Salzburg aufgefallen und hat sich auch am Montag von seiner vorteilhaftesten Seite gezeigt.
Natürlich schwingt für einen Haus-Debütanten große Anspannung mit, sodass vielleicht nicht alles so glatt und edel klang, wie es möglich wäre, aber einen sympathischeren und im dritten Akt präsenteren Rodolfo, kann man sich - angesichts der bescheidenen Auswahl - kaum wünschen. Auch Krassimira Stoyanova bot eine berührende Mimi erster Klasse, die ebenfalls mit Fortschreiten des Abends an Profil und Größe gewann.
Boaz Daniel war ein feiner Marcello, der junge Adam Plachetka ein Schaunard von Bedeutung, Alexandra Reinprecht eine sehr gute, aber noch nicht restlos perfekte Musetta und Sorin Colibran ein klangvoller Colline. Alfred Sramek amüsierte in beiden komischen Rollen, dem Benoit und dem Alcindoro.
Was dem Abend vielleicht ein wenig fehlte, war die szenische Belebung der zweifelsohne mustergültigen Zeffirelli-Inszenierung, weil so manches Detail durch die wenig geschärfte Personenführung an Reiz verlor. Auch das trug dazu bei, dass es freundlich viel, aber keinesfalls stürmischen Applaus gab.
Info: www.staatsoper.at
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