Wenn heute, bei der visualisierten Klangwolke ab 19.45 Uhr die Überschall-Magneteisenbahn „Baby Jet“ durch den Donaupark vor dem Brucknerhaus rast, wird vor allem einer mitfiebern: Hubert Lepka. Denn er hat die spannende wie kuriose Idee einer neuen Mobilitätsutopie geboren.
Nicht zum ersten Mal lässt der gebürtige Rieder das Klangwolken-Publikum den Atem anhalten: Mit dem 1992 von ihm gegründeten europäischen Künstlernetzwerk „lawine torrèn“ stellte er 2005, zum Fünfzig-Jahr-Jubiläum des Staatsvertrags, im Donaupark die Frage: Was wäre, wenn 1955 in Österreich kein Staatsvertrag geschlossen worden, sondern es zu einer Teilung des Landes gekommen wäre? Wenn aus der Donau ein Eiserner Vorhang oder eine Mauer geworden wäre – mit einer Österreichischen Demokratischen Republik auf Urfahrer und einer Republik Österreich auf Linzer Seite? Die Antwort fand er in seiner spektakulären Aktion „Teilung am Fluss“, einer gigantischen Show zu Wasser und zu Land, samt Flugzeugakrobatik.
Groß angelegte Inszenierungen auf weitem Raum sind das Markenzeichen des 52-Jährigen, der klassischen Gesang und zeitgenössischen Tanz am Mozarteum studierte. Legendär wurde seine alljährliche Inszenierung der Alpenüberquerung Hannibals am Rettenbachgletscher in Sölden: 32 Pistenraupen, je neun Skidoos und Eismotorräder, 56 Paragleiter, 18 Fallschirmspringer, 17 Schauspieler und eine Vielzahl von Pyro-, Licht-, Bühnen- und Soundtechnikern reflektierten auf 2700 und 3300 Metern Seehöhe die Alpenüberquerung des karthagischen Feldherren vor 2200 Jahren, von Lepka als Comic-Geschichte erzählt.
„Maschinen, von Menschen geführt, sind der elektrische Verstärker eines Tanzes, der wie vormals Rock ’n’ Roll ausbricht aus der stickigen Luft des eng formatierten, selbstreferenziellen, dramaturgisch geknebelten Theaterraums“, sagt der kritische wie kreative Geist, für den ein Wesensmerkmal von Kunst „die Komplexität in der Tiefe“ ist: „Das kann man nicht weglassen. Aber man kann an der Oberfläche, wo es um die Einfallsportale in die Tiefe geht, eine Ästhetik verwenden, die für viele Menschen verständlich ist.“
Inwieweit Kunst für ihn auch eine Frage der Eitelkeit ist? „Ein Künstler ist gefallsüchtig, sonst würde er sich nicht hinstellen, um vor anderen Menschen etwas zu tun. Da bin ich bewusster Narziss“, verriet er im OÖN-Interview. Man darf gespannt sein, was sich der Innviertler, der mit seiner Familie am Passauergut nahe Salzburg lebt, diesmal ausgedacht hat.
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