
Manchmal macht der Rock’n’Roll Worte überflüssig. Dann reicht das Anschlagen eines einzigen Gitarrenakkords, um 72.000 Menschen in frenetischen Jubel ausbrechen zu lassen. Um 21.03 Uhr begrüßt Bono launig die Fans („Wo sind wir? Linz? Salzburg? Graz? Wien!“), zupft Adam Clayton den Bass, bearbeitet Larry Mullen seine Drums. Und dann spielt Gitarrist The Edge die ersten verzerrten Gitarren-Licks von „Beautiful Day“. Der Wahnsinn bricht los.
Mittelpunkt und Epizentrum des Irrsinns: Bono. Der 50-jährige U2-Sänger exerziert an diesem nasskalten Abend im Wiener Ernst-Happel-Stadion alle Persönlichkeiten durch, die man gemeinhin von ihm kennt: Er ist leidenschaftlicher Entertainer, publikumsfixierter Frontmann, Lehrer, Kämpfer für die Entrechteten – und natürlich Missionar.
Zwischen Kitsch und Charisma
Zwei Stunden und 22 Songs dauert die Rock’n’Roll-Messe, die die vier strenggläubigen Iren an diesem Abend lesen. Und es ist alles da: das hymnische Gitarrengeklingel, zart klagende Akkorde, pathetische Aufrufe zum Weltfrieden und Bonos markante Stimme, die den Balanceakt zwischen Pop-Appeal, Kitsch und Charisma scheinbar mühelos meistert. „I Can’t Sing But I’ve Got Soul“ („Ich kann nicht singen, aber ich habe Seele“) kokettiert er an einer Stelle.
Geschickt verweben U2 in den 120 Minuten ihre Cinemascope-Welthits zu einem dichten Klangteppich. Und doch schleicht sich irgendwann das mulmige Gefühl ein, die Musik stehe nicht an erster Stelle. Denn der Star der „360 Grad“-Tour ist – trotz seines unterhaltsamen Gockelgehabes – nicht Bono, sondern die unter vier gigantischen Spinnenbeinen untergebrachte Rundbühne. Ihr schierer Umfang lässt das beinahe ausverkaufte Ernst-Happel-Stadion förmlich schrumpfen: zwei bewegliche Brückenstege, ein riesiger Rundumbildschirm, gespickt mit LED-Waben mit denen man ganze Landstriche nächtens beleuchten könnte. Höhe: 46 Meter! Quasi U2s Pendant zum Turmbau zu Babel.
Nach „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ nimmt Bono das Tempo raus, sammelt sich kurz, nickt The Edge zu und stimmt die ersten Zeilen von „Breaking The Wave“, dem einzigen unveröffentlichten Song an diesem Abend, an. Ein zum Heulen schönes, intensives, verletzliches Stück Musik. Es ist dieser Moment – direkt, unverkrampft, harmonisch und schwebend – der einem die Grandesse von U2 ins Gedächtnis ruft. Nicht die bis zur Perfektion durchchoreographierte Lichtshow. Nicht die gigantische Videowand. Nicht die prototypischen Mitsing-Rocker wie „Vertigo“ oder „Elevation“.
In gleißendes Grün getaucht
Dann folgt das Finale der politischen Bekenntnisse. Bei „Sunday Bloody Sunday“ wird die Bühne in gleißendes Grün, die Farbe der Opposition im Iran, getaucht. Textfragmente flimmern auf Farsi über die Leinwände. „MLK“ und das furiose „Walk On“ widmet die Band der inhaftierten burmesischen Friedens-Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.
Nach drei Zugaben geht mit dem balladesk-epischen „Moment Of Surrender“ ein Konzertabend zu Ende, der manchmal etwas zu bombastisch, zu perfekt, zu bemüht war. Und doch tief berührte. Gigantomanie mit Herz.
U2 ist sicher nicht schlecht, aber ohne ihre Leistung zu schmälern sind sie nicht die Besten.
BRUCE SPRINGSTEEN spielt sie jederzeit an die Wand.
Bruce braucht auch keine aufwendige Lichtshow oder sonstigen Tamtam um sein Publikum zu begeistern.
U2 ist sicher gut, aber Bruce Springsteen und seine E-Street Band ist um vieles besser.
Die besten Live Bands sind immer Diejenigen, die man selber gesehen hat.
Und ich hab Beide o.a. NICHT gesehen!!
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