Ein Schritt nach vorne, drei Lifte zurück. Mit dem Prädikat „Perle der Alpen“ rühmt sich mein Heimatnest Hinterstoder, einer Auszeichnung für seine großartigen Leistungen im Bereich des nachhaltigen Tourismus und der „sanften Mobilität“.
Im Winter strahlt die Perle durch tausende funkelnde Autos der Tagestouristen am Parkplatz, Zubringer von Schuss fahrenden Kamikaze-Kindern und einer Materialschlacht an Ski und Zubehör.
In den übrigen Jahreszeiten wirkt die riesige Asphaltfläche, die aus der Vogelperspektive die Hälfte des Ortskerns darstellt, recht matt. So eine Perle gehört gewinnbringend aufpoliert, dachten sich Tourismusverband und Bergbahnen, und diesem Vorhaben steht selbst ein Naturschutzgebiet nicht im Wege. Mit läppischen 65 Millionen Euro (für die Verbindung Hinterstoder–Vorderstoder–Wurzeralm, Quelle OEAV) können sogleich mehr Pistenkilometer die Prospekte aufbessern, und den Skigästen kann Naturnähe eingepflanzt werden, mit einer Skischaukel direkt durch das Naturschutzgebiet Warscheneck Nord.
Man müsste vorher nur kurz die Bedeutung und den Zweck eines Naturschutzgebietes ändern in „Gebiet zur Aufrechterhaltung natürlicher Lebensräume, solange sich nichts Profitableres ergibt“.
Wenn wir schon dabei sind, könnte ich zur Neuauflage des Dudens gerne das Tropenholz meiner paar erworbenen WWF-Regenwald-m² zur Verfügung stellen. Dafür steht das gottgegebene Recht auf Massentourismus!
Es gibt eine Alternative. Eine, bei der in 50 Jahren nicht unwiederbringlich das größte Kapital, die Ursprünglichkeit dieses Ortes, durch Stahlgerippe zerstört sein wird, die mangels Schnee nur noch als Skelette in die Landschaft ragen. Man könnte die Schönheit und Natürlichkeit dieser Wälder wahren, und darauf einen sanften Tourismus weiter aufbauen, wie es teils ja schon geschehen ist. Wie viele Orte gibt es, an denen es so still sein kann, so ganz ohne menschlichen Lärm, dass man einen Grashalm fallen hört?
Info: Der Leondinger „Sprichcode“ ist der größte Literatur-Wettbewerb für Jugendliche im deutschen Sprachraum. Die OÖNachrichten vergaben diesmal einen Kolumnen-Preis, den Marlis Stubenvoll gewann. Die 19-Jährige maturierte im Stiftsgymnasium Schlierbach, im Herbst beginnt sie ein Germanistik-Studium und schreibt alle zwei Wochen in den OÖNachrichten.
Netter Artikel über ein Vorhaben, das an Wahnwitz grenzt. Aber sicher ist man hier besser vorbereitet als am Kasberg und die 65 Mio. sind in fünf Jahren zurück im Sackl! Als Sommerfrischler kann ich nur hoffen, daß ich auch künftig dort durch die Natur - und nicht über Pistenflächen - wandern kann, von Fauna und Flora und viel Ruhe umgeben - ohne Lifte! Es sieht an der Wurzeralm schon schlimm genug aus!
Die Anhänger des sanften Tourismus, die sogenannten Sommerfrischler, viele davon aus Wien, wurden sukzessive durch Schotterwüsten, nicht mehr markierte Wege z.B. über die Fröstlalm ins Tal, teilweise Reit- und Radfahrverbot, vertrieben und so liefert man sich auf Gedeih und Verderb der Wintersportmafia aus, die natürlich noch mehr Pisten, noch mehr Einnahmen etc. sehen will.
Dass nach der Skisaison eine Wüste übrig bleibt, ist den Skikaisern egal, Hauptsache man hat ordentlich mitgeschnitten und das war´s dann.
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