OÖN: 15-Jährige betreiben sexy Sportarten. Sie sind Marathon gelaufen, das ist nicht sexy.
Jordan: Stimmt, und ich habe es bereut. Ich hätte Kiteboarden machen sollen. Dann wäre ich braun gewesen und alle Mädchen hinter mir her. Ich hab’ viel zu spät begriffen, dass dieses Heldenhafte, das ich in diesem Sport suchte, blödsinnig war. Ich möchte jedem Jugendlichen raten, Kite-boarden zu machen. Laufen ist langweilig, unsexy und anstrengend. Aber: Die letzten fünf Minuten sind die besten. Ursprünglich ist es aus einem Komplex heraus entstanden. Alle um mich herum waren im Schwimmverein oder im Fußballverein – ich war so dünn und wollte nicht mit den anderen duschen. Da habe ich etwas gesucht, wo ich alleine bin.
OÖN: Es hat den Anschein, als hätten Sie Spaß daran, Klischees zu zertrümmern. Beabsichtigen Sie das oder passiert es Ihnen?
Jordan: Zum Teil passiert es, und zum Teil lernt man ja auch. Hans Christian Rudolf, ein sehr guter Schauspieler aus Hamburg, hat mir einmal gesagt: „Zur Premiere immer Anzug und Krawatte!“ Das war im Thalia-Theater, und ich hab’ ihn gefragt: „Warum, wir sind an dem Abend die Einzigen in diesem Aufzug?“ Da sagte er, dass er nicht als Schauspieler zu erkennen sein will. Er hat zwar die Hauptrolle gespielt, stand aber da und sah genauso aus wie das Publikum. Das verschaffte ihm Respekt – auch der Veranstaltung gegenüber. Das Klischee zu durchbrechen, hat ihm Spaß gemacht. Das hab’ ich mir gemerkt.
OÖN: Also gibt es die Uniformierung der Schauspieler?
Jordan: Die gibt es, aber letztendlich entscheidet sich auf der Bühne, ob einer was draufhat. Es gibt einen guten Satz von Michael Caine: „Wenn man sich zum Affen macht, sieht man auch wie einer aus.“ Das sollte man beachten.
OÖN: Würden Sie gerne die Rolle des Jedermann spielen?
Jordan: Der Jedermann ist eine sehr gerade Rolle. Ich weiß nicht, ob ich das könnte, und wenn, dann wär’ es ganz anders als bei Peter Simonischek und Nicholas Ofczarek. Jedermann sagt ganz gerade: „Ahh, da kommt meine Buhle.“ Die Guten Werke, Tod, Teufel, alle Meta-Figuren können ironisieren, Scherzchen machen – ihnen kann nichts passieren. Nur am Jedermann zeigt sich, wie jedermann eben ist – keine Kunstfigur, sondern ein gerader Charakter von heute, der seinem Niedergang entgegengeht. Das ist nicht nur schwierig, hmmmm, ich hätte dazu auch keine Lust. Nein, diese Rolle nicht, nicht geschenkt!
OÖN: Sich als Teufel wie ein Rumpelstilzchen gehen zu lassen – war das Ihre Idee oder jene von Regisseur Christian Stückl?
Jordan: Ich hab’ das Video mit Sven-Eric Bechtolf und die Aufführung mit Tobias Moretti gesehen – beide haben versucht, so groß zu sein wie Simonischek oder noch größer. Moretti mit hohen Schuhen und Bechtolf, der eh groß ist, mit langen Händen und langem Mantel, was ihn noch größer aussehen ließ. Da fiel mir ein, was wäre, wenn sich der Teufel kleiner macht, weil kleiner als Simonischek bin ich ohnehin. Gerade so, dass sich das Publikum denkt: „Was? Das soll der Teufel sein?“ Und dann überrascht ist von der Agilität. Ich muss nicht groß sein, ich bin eh der Herr der Hölle, also sowieso der Chef.
OÖN: War Stückl gleich davon begeistert?
Jordan: Ich war von Thomas Oberender (Schauspielchef der Festspiele, Anm.) besetzt worden, Stückl traf ich in einem Café in München. Er schaute mich an und ich sah, dass er sich dachte: Das wird nichts. Er hat mir zwar den Guten Gesell angesehen, eine deutsche 50er-Jahre-Figur wie Theo Lingen, und Stückl fragte: „Jo, wos moch ma jetz mitm Teifi?“ Ich saß da mit Brille und Pullunder und hab’ gesagt: „Du darfst mich nicht so sehen, wie ich jetzt bin. Wir müssen die Figur weit von mir weg gestalten. Sie muss was Tierisches haben, etwas Schleimiges.“ Deshalb ist der Teufel so geworden.
OÖN: Wird in Salzburg Kultur verwaltet, oder sehen Sie auch künstlerische Impulse?
Jordan: Ich sehe eindeutige Impulse, was hier gezeigt wird, ist kein simples bürgerliches Theater, das ist kein Fake. Dass die Leute unzufrieden sind, gehört hierher – auch, dass das Feuilleton meckert. Was in Österreich gut ist, darf in Deutschland nicht als gut bewertet werden und umgekehrt.
OÖN: Im Burgtheater spielen Sie ab September in „Die Jüdin von Toledo“. Dieses Stück ist erst nach Grillparzers Tod aufgetaucht. Was denken Sie, warum hat er es nicht zu Lebzeiten veröffentlicht?
Jordan: Die Gründe sind schleierhaft. Wenn man so will, hat es ja auch antisemitische Sequenzen, wenn etwa der alte Isaac vor dem Tod so etwas sagt wie: „Ich komm’ gleich, ich hol’ noch schnell mein Geld, das ich im Garten vergraben hab’.“ Vielleicht fand es Grillparzer nicht gut?
OÖN: Können Sie nachvollziehen, warum es Grillparzer nicht gut gefunden haben könnte?
Jordan: Nein, die Geschichte ist toll. Dass ein Mann mit perfekter Familie und genug Geld, der auch einen Staat führt, von einer viel jüngeren Frau aus dem Tritt gebracht wird – das ist sogar ziemlich gut und aktuell, siehe Bill Clinton und seine Dings.
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