Er hat als Dirigent das, was man nicht lernen kann: Charisma. Das war auch einem Herbert von Karajan schnell aufgefallen. 1971 holte er den damals 30-jährigen Riccardo Muti zu den Salzburger Festspielen.
Bei seinem Debüt hatte Muti damals „Don Pasquale“ dirigiert, mit Riesenerfolg. Zehn Jahre später verlieh ihm Karajan die „höheren Ehren“, verkündete, dass der Neapolitaner 1982 Mozarts „Così fan tutte“ leiten würde.
Das war wohl ein Stich ins Herz des großen Karl Böhm, für den „Così“ faktisch zum „Eigentum“ geworden war. Er sprach „Così“ übrigens immer falsch aus, mit Betonung auf dem „o“. So manchem vertraute er in jener Zeit sein Leid an: „Meine ‚Cosi’, meine ‚Cosi’! Und jetzt holt er diesen Italiener. Was versteht denn der davon?!“
Nun, der „junge Italiener“ meisterte Mozarts Meisterwerk mit Bravour, vorher hatte er sich auf der Bühne Respekt verschafft. Dort stand der Chor herum, fast alle hatten eine Tasse Kaffee in der Hand. Muti sagte: „Hören Sie, Herrschaften, ich komme aus Neapel, verstehe was von Kaffee, aber ich habe noch nie erlebt, dass die Leute dort mit Kaffeetassen in der Hand durch die Stadt spazieren…“
Natürlich hatte er durch einen bekannten Sänger von Karl Böhms „Leiden“ gehört, aus Respekt vor dem legendären Kollegen (der am 14. August 1981 starb und Muti gar nicht mehr am Pult von „Così“ erlebte) vermied er es jedoch immer, darauf einzugehen.
Einmal aber erwischte ihn ein deutscher Journalist und wollte partout wissen: „Maestro, wo liegt nun der Unterschied zwischen Ihrer Interpretation von ‚Così fan tutte’ und der von Karl Böhm?“
Muti: „Eine heiklere Frage konnte er mir nicht stellen. Aber der Himmel schickte mir die rettende Idee.“
Er antwortete: „Karl Böhm betonte seine ‚Così’ auf dem ‚o’ – und ich auf dem ‚i’.“
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