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Alice Cooper: Ein kleines bisschen Horrorshow

Er ist der Urvater des Schockrocks, passionierter Golfer und bekannt für seine exzessiven, bombastischen Bühnenshows. Bei seinem mittwöchigen Wien-Gastspiel konnten sich die Fans überzeugen, dass Alice Cooper (62) noch lange keinen Rost angesetzt hat.

„Ich habe das Gehirn eines Kleinkinds und das Herz eines alten Mannes“, singt Alice Cooper in „I’m Eighteen“, gestützt auf einen überdimensionierten Gehstock, einen diabolischen Grinser im zerfurchten Gesicht. Und recht hat er. Mit seiner „Theatre of Death“-Tour, eine Art Zirkusspektakel des Schreckens, gastierte der 62-jährige Schockrocker – privat passionierter Golfspieler und braver Kirchengeher – am Mittwoch in der ausverkauften Open-Air-Arena Wien.

Das frivole, knapp 90-minütige Brimborium startet mit dem Lieblingslied aller von Lehrern und Eltern gepeinigten Schulpflichtigen – „School’s Out“. Danach geht’s mit beachtlicher Hitdichte weiter: „No More Mr. Nice Guy“, „Poison“, oder „Billion Dollar Babies“. Hart, kompakt vorgetragen, ohne musikalische Mätzchen. Alice Cooper sondiert kein neues Terrain, sondern legt musikhistorisch den Rückwärtsgang ein und parkt geschickt zwischen klassischem Sixties-Rock’n’Roll und Achtziger-Hardrock ein.

Babypuppen versus Bajonett

Ebenso wenig wie seine zahlreichen Bühnen-Utensilien hat Vincent Damon Furnier (seit 1974 steht „Alice Cooper“ auch im Reisepass des Mannes aus Detroit) Rost angesetzt. Wie die im siebten Lebensjahrzehnt stehende Rock-Legende in großen Gesten und mit sichtlicher Hingabe Babypuppen mit einem Schwert schwungvoll köpft, sich eine aufblasbare Dame zwischen die Beine steckt, sich als Spinne verkleidet oder zwei Songs in einer knalligen Zwangsjacke gefesselt singt, besitzt nicht nur kultigen Trash-Faktor, sondern auch beachtlichen Unterhaltungswert.

Bei dem Supermodel Naomi Campbell gewidmeten „Dirty Diamonds“ wirft der geschminkte Spaßvogel dann noch falsche Klunker ins Publikum, bei „Feed My Frankenstein“ aus der Klamotte „Wayne‘s World“ wird er hinterhältig auf der Bühne von dem besungenen Monster (circa Pappmaché-Ungetüm trifft Samson aus der „Sesamstraße“) attackiert. Ein kleines bisschen Horrorshow. Und eine Riesengaudi.

Nach eineinhalb Stunden und gut zwei Dutzend Songs geht mit „Elected“ aus 1972 und einer Reprise von „School’s Out“ ein launiger Konzertabend zu Ende, der gekonnt handgemachten Rock mit einer Broadway-Show für Erwachsene kombinierte. Spätestens dann ist auch den jüngsten Konzertbesuchern klar, von wem Marilyn Manson eigentlich seine bizarre Bühnenshow geklaut hat.

Kommentare
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Artikel 13. August 2010 - 00:04 Uhr
Von Lukas Luger
Bild vergrößern Ein kleines bisschen Horrorshow

„School’s Out“-Party mit Alice Cooper (62) bei seinem einzigen Österreich-Konzert.  Bild: epa

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