Es ist kein Zufall, dass die Musik von Anton Bruckner und Franz Schubert bei den BrucknerTagen 2010 im Fokus steht. Beide Komponisten waren Visionäre, ihre musikalische Sprache ist harmonisch, und sie treffen sich in der Hausgeschichte des Stiftes St. Florian. Klare Bezüge zum Ort des Geschehens sind wichtig, sagt Matthias Giesen, der mit Klaus Laczika künstlerischer Leiter der BrucknerTage ist. Das war immer so. Das wird auch im 15. Jahr des Bestehens des Festivals so bleiben.
Der besondere Bezug hat mit Johann Mayrhofer zu tun. Der Textdichter zahlreicher Lieder und damalige Chorherr im Stift gehörte zum Freundeskreis Schuberts. „Es war vermutlich seiner Vermittlung zu verdanken, dass Schubert St. Florian besuchte und gemeinsam mit Bruckner für den Freundeskreis beziehungsweise die Liedertafeln weltliche Chöre mit Klavier komponierte“, erklärt Giesen den Hintergrund des diesjährigen Mottos.
Die Tradition zu bewahren, ist gut und schön. Sie in einen zeitgenössischen Kontext einfließen zu lassen, ist aber das, was die Programmverantwortlichen in St. Florian besonders reizt. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass sich die BrucknerTage international einen guten Ruf gemacht haben. „Neue Kompositionen bilden den spannenden Kontrast zu ganz alten Werken, und diese Gegenüberstellung macht auch deutlich, wie große Komponisten bis heute nachwirken“, sagt Giesen.
Dieser hohe Spannungsfaktor ist denn auch wichtiger Motivationspunkt, um sich Jahr für Jahr der Aufgabe zu stellen, ein inhaltlich gediegenes und musikalisch hochwertiges Programm mit Künstlern von Format zusammenzustellen. Die Idee, auch andere Seiten der Musik zu beleuchten, hat sich in den 15 Jahren des Bestehens der BrucknerTage bewährt und gefestigt. „Das ist ein Feld, das man öffnen muss“, sagt Giesen. Und auf diesem Feld blüht immer noch vieles. Bis 2013 steht das Programm bereits, und auch für die Zeit danach wird es keinen Ideenmangel geben. Solange das Publikum den BrucknerTagen die Treue hält, wird es das Festival geben.
Diese programmatische Finesse ist sicherlich ein Geheimnis des Erfolges. Doch für Giesen ist es auch die Überschaubarkeit des Festivals, das in einer Woche viele Chancen auf Zugänge zur Musik bietet. Und letztlich sind es die Künstler, die wie Magnete wirken.
Die große Bandbreite schließt niemanden aus. Und spannend ist es überdies. Aber das muss ja so sein.
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