Die beiden Schauspielerinnen, die nach Jahren im Ensemble des Landestheaters Linz Oberösterreich den Rücken kehren und ab Herbst im Norden bzw. Süden Deutschlands neue Herausforderungen suchen, stellen sich dem Thema auf ihre eigene Art. Ein Gespräch über Leben und Tod.
OÖN: Was hat den Liederabend „Der Tod und die Mädchen“ entstehen lassen?
Schulz: Es gab für mich schon seit fünf Jahren die Idee, einen Liederabend zu machen. Diese Idee ist nun wieder aufgetaucht, und ich habe Julia gefragt.
Ribbeck: Die Ursprungsidee war aber eine andere.
Schulz: Ja. Die ursprüngliche Idee hatte mit einem Projekt über Tote zu tun. Zu der Zeit sind viele Menschen gestorben, darunter bekannte Persönlichkeiten. Wir wollten mit anderen Kollegen eine szenische Lesung machen. Daraus ist aber dann nichts geworden, nur das Thema ist geblieben. Da habe ich mir dann gedacht, ich nutze die Idee für einen Liederabend.
OÖN: Was ist am Tod so faszinierend?
Ribbeck: Der Tod war uns gruselig, wie wahrscheinlich den meisten Menschen. Wir haben festgestellt, dass wir ganz lange geprobt haben, ohne wirklich einmal ernsthaft darüber zu reden, wen wir schon verloren haben, wie wir mit dem Tod umgehen und ob wir Angst davor haben oder nicht. Es gab eine einzige Probe, da saßen wir ohne Musiker im Eisenhand und haben angefangen zu erzählen, was uns selbst beschäftigt. Da wurde es erstmals sehr persönlich, weil es um den Verlust der Großeltern oder von Freunden ging. Das hat es letztlich wahrscheinlich auch gebraucht, damit der Abend nicht nur spaßig wird und wir das Thema Tod nur vermeiden. Es ist ein schwieriges Thema.
Schulz: Wir haben uns oft gefragt, kann man das machen, ist dieses Lied pietätlos, oder wie verstehen es die Leute. Dann haben wir aber auch durch Hilfe anderer festgestellt, dass das Thema Tod und Sterben hier in Österreich anders behandelt wird. Hier gibt es Lieder und Texte, die viel häufiger als in Deutschland um den Themenkomplex kreisen. Dadurch wurde es uns dann einfacher gemacht.
OÖN: Dem Österreicher sagt man gerne einen morbiden Zugang zum Tod nach.
Schulz: Genau. Es gibt Lieder wie „Es lebe der Zentralfriedhof“, aber gleichzeitig eine andere Art von Verdrängung des Themas. Als wir mit dem Titel unseres Liederabends dahergekommen sind, haben wir allein beim Wort Tod sofort gemerkt, dass es da eine reservierte Haltung gibt. Viele dachten sofort, da kommt etwas ganz Schweres auf sie zu. Erstmals sind die Meinungen sehr kritisch. Die, die den Liederabend schon erlebt haben, waren durchwegs begeistert,
Ribbeck: Es gibt immer eine Hemmschwelle. Die Veranstalter, die wir gefragt haben, meinten immer, ob da die Leute bei dem Thema kommen werden. Wir hatte eine Zeit lang das Gefühl, wir müssen ständig betonen, dass der Abend auch lustig ist. Mittlerweile ist es, glaube ich, gelungen, dass man alle Wege, die das Thema bietet, mit uns mitgehen kann.
OÖN: Wenn man sich anhand von Texten und Liedern mit dem Tod beschäftigt, wie ihr es getan habt, bekommt man dann eine andere Sichtweise?
Ribbeck: Ich glaube, wir haben dann doch eher immer das Leben gefeiert. Ich beschäftige mich mehr auf der privaten Ebene mit der Frage und suche Wege, damit umzugehen. Es ist nicht so, dass die Auseinandersetzung mit unserem Liederabend dazu geführt hätte, dass ich anders über das Sterben, den Tod nachdenke. Ich neige auch eher zum Humor, wenn ich einer Sache ohnmächtig gegenüberstehe. Wir wissen nicht, ob danach etwas kommt. Wir wissen nicht, wie wir sterben werden, ob es leicht oder schwer geht. Die Fragen werden nicht beantwortbar sein. Dann bleibt mir oft auch nur der Weg, es sein zu lassen, darüber nachzudenken, es zu verdrängen oder ein Späßchen darüber zu machen.
Schulz: Das ist das, was wir versucht haben, in diesen Abend zu packen. Was verbindet man mit dem Tod? Angst, Unsicherheit, Witzemachen – all das kommt bei uns vor. Und manchmal sprechen die Lieder für sich.
Ribbeck: Wir haben „Mensch“ von Herbert Grönemeyer in einer Version im Programm, wo ich selbst beim Singen merke, dass man es besser nicht ausdrücken kann. Es gibt Lieder, wo man spürt, dass ein Gefühl auf den Punkt gebracht ist. Wir haben aber verschiedene Aspekte im Programm, wie Sätze von Nahtoderfahrenen oder absurde Todesanzeigen. Wir kommen mehr vor mit den Fragen als mit den Antworten. Wir tauchen beide auf mit unserer Angst.
Schulz: Es gibt keine Antworten. Es ist ein komisches Thema.
Ribbeck: Mal ist es komisch, mal ist es schön.
OÖN: Darf man über den Tod lachen?
Schulz: Ich denke schon. Die Leute lachen bei unserem Liederabend sehr viel. Dafür können wir aber nichts.
Ribbeck: Bis zu einem gewissen Grad muss man lachen. Aber manchmal geht es zu weit. Ich habe neulich gelesen, dass in Amerika ein Award für Menschen vergeben wird, die superpeinlich ums Leben gekommen sind.
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