Die Opera da Camera lässt die Quelle des Humors in der Kulturfabrik Helfenberg sprudeln, auf dass sich das Publikum laben könne an hochkarätiger Musik und Schauspielkunst mit sehr viel Witz. Einzig für Verliebte mag der Besuch gefährlich sein, empfehlenswert allemal. Denn, wie warnend vorab verkündet, ist „Flirten verboten“ im Reich des Mikado. Zumindest kostet es den Kopf. Wovon auch Franz Stögners Sandkiste, blutrot umrandet, mit Hackstock zeugt.
Ins ferne Japan des 15. Jahrhunderts hat das britische Komponisten-Duo W. S. Gilbert und Arthur Sullivan seine Satire auf die viktorianische Gesellschaft verpflanzt. Weit weg vom Inselstaat also, doch nicht weit genug für Regisseur John F. Kutil, um nicht bemerkenswerte Parallelen zu einem kleinen, friedlichen Binnenland zu orten, wo so gern der Schein gewahrt und dem Gehorsam vorausgeeilt wird und man die Moral gleich doppelt pflegt, wo Pfuschen so verpönt ist wie die ausländische Putzfrau halt doch billiger.
Auf der Flucht ist Mikados Sohn Nanki-Poo jedoch mehr vor der Ehe mit Katisha. Weshalb, stellt Karen Robertson als stimmgewaltige Furie mit dem Mut zu matroniger Hässlichkeit klar. „Nanki-Poo“ Matthäus Schmidlechner kehrt einmal mehr den exzellenten Komiker heraus, der als selbstlos Liebender für einen Wonnemonat mit seiner angebeteten Yam-Yam sein Leben gäbe, oder für eine vor Liebesglück strahlende Elisabeth Breuer, das würde man verstehen. Kein Wunder, dass auch Ko-Ko Yam-Yam verfallen ist, der zum Enthauptungschef ernannte erste Hinrichtungskandidat. Wenn ein Kopf rollt, dann erst nach dem seinen: Reinhold G. Moritz macht seine Sache glänzend, wenngleich er beim Köpfen jämmerlich versagt, dafür mit Engelszungen Katishas Herz gewinnt (und dabei fast allen Lebensmut verliert). Weniger als der Mikado regieren List und Tücke in Titipu.
Das Sagen jedoch hat einer: Einst erzürnt über den Emporkömmling Ko-Ko, haben alle Minister ihre Ämter niedergelegt. Einzig Poo-Bah hat sich selbstlos ihrer Pflichten – und Gehälter – erbarmt. In weit Wehendes, grell Pinkes (Kostüme: Natascha Wöss) gewandet, führt Orlanda Mason als grenzgeniale Kunstfigur die Tücken des (Selbst-)Betrugs vor Augen.
Humor statt Klamauk
Gerda Lischka und Tanja Höfer als Yam-Yams Gefährtinnen, Philippe Spiegel und Florian Atzmüller ergänzen das junge, quirlige Ensemble, das vor Spiellust nur so strotzend den Funken überspringen lässt, ebenso wie das Vokalensemble, das auf der kleinen Bühne weit mehr sein muss und ist als „nur“ Chor. Zwiegespalten ist William Mason: Als despotischer Mikado ist er der Liebenden Fluch, als Dirigent der erstklassigen, spielfreudigen Musiker bewährter Wegweisender.
Standing Ovations für ein Bravourstück der Opera da Camera, in geistreichen Humor getränkt, ohne im Klamauk zu ertrinken, das sich selbst Verliebte nicht entgehen lassen sollten.
PS: Sehenswert ist auch die begleitende Ausstellung mit Werken von Helmuth Gsöllpointner, Gerold Leitner, John Owen, Maria Hofbauer und Hermann Eckerstorfer.
Info: Heute und morgen, 6.–8. u.13.–15. 8., jeweils 19.30 Uhr, Karten: 0 72 18-389, www.theaterinderkulturfabrik.at
Wer sich zwei Stunden lang köstlich unterhalten will, sollte diese humorvoll-musikalische Aufführung nicht versäumen.
Dieses angelsächsische "Operetten"-Juwel wird flott und gekonnt von einem überzeugenden Ensemble in bester Spiel-und Singlaune umgesetzt.
UNBEDINGT ANSEHEN UND ANHÖREN!
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