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Salzburgs beste Selbstinszenierung

Die Salzburger Festspiele arbeiten seit knapp einer Woche fleißig daran, „das beste Festival der Welt“ zu sein – wie es ihre Präsidentin Helga Rabl-Stadler so oft ausruft. Die Ausgabe 2010 ist von Mut, Innovation und bester Selbstinszenierung durchsetzt. Eine erste Zwischenbilanz: Bravo!

Die Salzburger hatten keine leichten Jahre. Zuerst schlugen sie sich bei unverbesserlichen Bewerbungen für die Olympischen Winterspiele die Nase blutig, und dann auch noch dieser haarsträubende Finanzskandal um die Osterfestspiele. Was soll so eine Stadt mit reichlich Talent für Realtragödien zum 90. Festspiel-Jubiläum zustande bringen? Eine ganze Menge!

Mit der neuen Besetzung des „Jedermann“ hat sich zwar nicht Mut durchgesetzt, weil Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr keine dahergelaufenen Theaterer sind. Mit 39 und 33 Jahren bilden die beiden allerdings das jüngste Pärchen, das der Domplatz in seiner Festspiel-Geschichte gesehen hat. Enorm war der Jubel für die Inszenierung von Christian Stückl, der schon zum neunten Mal inszeniert und das schwerfällige Mysterienspiel erneut flottgekriegt hat.

Wolfgang Rihm ist eine Salzburger Entdeckung in Dekaden. 1991 hielt der deutsche Komponist und Essayist die Festrede. Im Sommer 2000 wurde ihm ein „artist in residence“-Programm gewidmet, 2010 ist er die Zentralfigur der Festspiele. Die Salzburger hatten dem 58-Jährigen den Opernauftrag „Dionysos“ angedient, die Uraufführung fand am dritten Festspieltag statt. Und was für eine! Kritiker und Publikum taumelten vor Glück. Im Falle von Rihms Scheitern wären auch die Festspiele gestrauchelt, weil sie dem Komponisten auch noch einen Zyklus aus Tanztheater, Texten und Konzert widmen.

Raffinierter Partner

Salzburg stellt es obendrein geschickt an, kostenreduzierende Partnerschaften einzugehen und sich selbst die Premieren-Exklusivität zu sichern. Wie etwa die „Ödipus auf Kolonos“-Kooperation mit dem Berliner Ensemble unter Regie-Altmeister Peter Stein, der auf der Perner-Insel in Hallein Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle aufbot. Oder die Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen, die „Angst“ und damit erstmals Stefan Zweig zu den Festspielen brachte.

Um einen wie Gérard Depardieu einzukaufen, sind bloß die finanziellen Möglichkeiten der Salzburger Festspiele notwendig – um den Franzosen auch noch zum Russischlernen zu bewegen, ihr Prestige. Sein Erzähler in Prokofjews „Iwan der Schreckliche“ steht noch bevor. Die Kultur-Promis ist Salzburg sich und seinem Anspruch schuldig. So argwöhnisch ihre Wege, ihr Getue auch verfolgt werden – fehlten sie, würde dem Festival der bemerkenswerte Rang abgesprochen werden.

Zu so einem Status gehört, auch das Unkalkulierbare zu wagen: Das „Young Directors Project“ versammelt seit 2002 jeweils vier junge Theatermacher zu einem Wettbewerb. Er zeigt, wer Salzburg künftig Ehre machen wird.

Kommentare
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Artikel 30. Juli 2010 - 00:04 Uhr
Von Peter Grubmüller
Bild vergrößern Salzburgs beste Selbstinszenierung

Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek sind das jüngste „Jedermann“-Pärchen der Festspiel-Geschichte.  Bild: APA

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