OÖN: 1969 sagten Sie in einem Interview: Lebe schnell, stirb jung und hinterlasse ein hübsches Skelett. Hat nicht richtig hingehauen, oder?
Cooper: Absolut nicht (lacht). Damals habe ich noch in kurzen Zeitabschnitten gedacht. Heute ist Classic Rock lebendiger denn je. Ozzy Osbourne ist wieder auf Tour, Mick Jagger, Elton John und Rod Stewart sind auch noch aktiv. Fast alle großen Musiker und Bands der frühen Siebziger sind 2010 groß im Geschäft. Das hat viel zu tun mit der Qualität der Musik, aber auch mit einem gewissen Arbeitsethos. Alle Leute, die ich gerade erwähnt habe, haben irgendwann zu rauchen, zu saufen aufgehört und begonnen zu joggen (lacht).
OÖN: Woher kommt dieser Sinneswandel?
Cooper: Wenn man etwas will, muss man hart dafür arbeiten. Daran glaube ich ganz fest. Es ist für mich bis heute nicht selbstverständlich, dass Leute Geld bezahlen, um mich zu sehen, meine Musik zu hören. Wenn ich in eine Stadt – wie in 14 Tagen nach Wien – komme, muss ich mein absolut Bestes geben, meine beste Show abliefern. Das bin ich den Fans schuldig.
OÖN: Blut, nackte Frauen und Gewalt – die exzessiven, perfekt inszenierten Bühnenshows eines Alice Cooper sind legendär. Was war das Schrägste, das Sie je auf einer Bühne veranstaltet haben?
Cooper: Jedes einzelne Konzert muss nicht nur für das Publikum, sondern ebenso für mich und die Band aufregend sein. Wir dürfen es nicht erwarten können, auf die Bühne zu gehen und loszulegen. Nur dann springt der Funke auf das Publikum über. Wenn wir alles geben, damit die Leute was für ihr Geld bekommen, dann kommt auch etwas von den Fans zurück. Zurück zur eigentlichen Frage: Die Sache mit der Guillotine und der lebenden Boa Constrictor auf der Bühne waren schon ziemlich cool. Selbst für meine Verhältnisse (lacht).
OÖN: Mit all den Special Effects und gefährlichen Bühnen- Accessoires – haben Sie sich schon einmal ernstlich verletzt?
Cooper: Viele, viele Male. Egal, wie oft man vor Tournee-Start probt, es geht immer irgendetwas schief. Oft stehe ich auf der Bühne zur falschen Zeit am falschen Ort. Und dann wird’s haarig. Ich habe mir auf drei verschiedenen Touren Finger und Rippen gebrochen. Es ist beschissen, mit gebrochenen Rippen zu singen. Und einmal habe ich mich versehentlich fast selbst erstochen. Aber: „The show must go on“!
OÖN: Sie sind jetzt 62. Statt wie andere Männer im gesetzten Alter die Pension zu genießen, gehen Sie auf ausgedehnte Welttournee. Wie kommt’s?
Cooper: Das hat viel mit genetischer Veranlagung zu tun. Als ich jünger war, war ich fanatischer Langstreckenläufer. Ich habe Power ohne Ende. Meine Begeisterung für die 3000-Meter-Strecke ist das ganze Geheimnis meines Erfolgs als Rock’n’Roller.
OÖN: Was erwartet die Fans am 11. August in der Arena Wien?
Cooper: Die aktuelle „Theatre Of Death“-Show ist die bombastischste Konzert-Tour seit „Wel-come To My Nightmare“ von 1976. Es wird eine Riesengeschichte, mit Liedern von 1969 bis heute. Jeder der 28 Songs wird speziell inszeniert, nach einem eigenen Drehbuch. Dafür habe ich extra einen bekannten Broadway-Produzenten engagiert, der die Stücke aufwendig in Szene setzt.
OÖN: Ihr neues Album „Alice does Alice“, auf dem Sie einige Cooper-Gassenhauer neu interpretieren, ist nur als digitaler Download erhältlich.
Cooper: Manchmal kommt man erst nach 20 Jahren drauf: „Hey, ich kann den Song doch eigentlich viel besser spielen!“. Darum haben wir die Stücke mit modernster Technologie neu eingespielt. Sie sollen frisch und brandneu klingen, ohne die Seele von damals zu verlieren.
OÖN: Interessieren Sie sich für digitale Downloads, MP3s und solche Sachen?
Cooper: Ich bin ein Technik-Volltrottel. Ich bin eher der analoge Typ, technische Sachen sind mir suspekt. Zum Glück kenne ich aber Leute, die sich mit dem Blödsinn auskennen (lacht).
OÖN: Bedrohen illegale Downloads die Musikindustrie?
Cooper: Wenn man seit 30 Jahren dabei ist, hat die Sache nur Vorteile. Die Kids laden sich in Sekunden meine alten Scheiben runter. Wie sollen sie denn sonst meine Musik kennen lernen? Sie hören rein, werden Fans und kaufen eine Konzertkarte. Das ist toll. Wir Alten sollten nicht ständig jammern! Sondern uns freuen, dass wir durch das Internet die Jugend erreichen.
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