Nach dem künstlerischen Auftakt mit der „Jedermann“-Premiere am Sonntag eröffnete Bundespräsident Heinz Fischer gestern vormittag die 90. Salzburger Festspiele auch offiziell. Die Festrede im Großen Festspielhaus, das genau gestern vor 50 Jahren eröffnet worden war, hielt der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim (ein Porträt über Barenboim lesen Sie auf Seite 5). Das Festival dauert heuer bis 30. August und steht unter dem Generalthema „Wo Gott und Mensch zusammenstoßen, entsteht Tragödie“.
Barenboim hielt ein Plädoyer für den Frieden im Nahen Osten. Friede könne nur erreicht werden, sagte er, wenn eine für alle Beteiligten günstige Lösung gefunden werde, „eine Lösung, die für alle gerecht, in strategischer Hinsicht für alle von Vorteil und in Bezug auf alle moralisch vertretbar ist. Zu warten stellt in keinem Fall eine Option dar.“ Der Konflikt im Nahen Osten sei mit keinem anderen vergleichbar. Er unterscheide sich von anderen politischen Konflikten, bei denen es meistens um Grenzziehungen gehe oder um unentbehrliche Rohstoffe wie Erdöl oder Wasser, die entweder auf diplomatischem Weg oder mit militärischen Mitteln beendet werden können. Barenboim: „Es ist ein menschlicher Konflikt zwischen zwei Völkern, die beide felsenfest von ihrem Recht überzeugt sind, ein und dasselbe winzige Stückchen Land bewohnen zu dürfen.“ Es sei ein regionaler Konflikt, der aber die Stabilität der Machtstrukturen, wie sie zurzeit weltweit bestünden, bedrohe.
Die weiteren Ansprachen des vom Mozarteumorchester Salzburg unter seinem Chefdirigenten Ivor Bolton, dem Salzburger Bachchor sowie den Solisten Mojca Erdmann (Sopran), Stephanie Atanasov (Mezzosopran) und Joel Prieto (Tenor) musikalisch untermalten Festaktes boten ein weites Panorama: Der Bundespräsident erinnerte in seiner Eröffnungsrede an 90 Jahre österreichische Verfassung und Salzburger Festspiele, die beide in ihren jeweiligen Bereichen zentrale Säulen des staatlichen bzw. kulturellen Selbstverständnisses des Landes darstellten. Die Wirtschaftskrise stellte Kulturministerin Claudia Schmied in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. „Unsere Gesellschaft hat sich ganz dem Mythos des schnellen Profits, angetrieben von einer unbeschreiblichen Gier, zugewendet. In radikaler Weise haben wir uns von unseren ethisch-moralischen Prinzipien fortbewegt“, sagte Schmied.
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