Oö. Stiftskonzert: Barock-Kammermusik, Sommerrefektorium Lambach, 18. 7.
OÖN Bewertung:
Die Stiftskonzerte verstehen es, das Augenmerk auf Raritäten der Musikgeschichte zu lenken, jüngst auf das Claviorganum. Für diese Begegnung, reich an Informationen und Hörgenuss, sorgten die hervorragenden Solo-Flötisten Vater Wolfgang und Sohn Matthias Schulz und der Italiener Claudio Brizi als Instrumentenbauer und Virtuose auf dem Tasteninstrument mit ihren Überraschungen.
Der instrumentale Zwitter vereinigt in einem Gehäuse ein Cembalo und eine Orgel, schon im Barock eine Kuriosität. Die ausgetüftelte Konstruktion erlaubt es, auf drei Klaviaturen und einem Pedal die beiden Teil-Instrumente solistisch, aber auch in Zusammenklang zu spielen. Da dieser Wechsel auch innerhalb formaler Abschnitte möglich ist, ergeben sich in rascher Abfolge ungeahnte Klangkombinationen. Anfangs gewöhnungsbedürftig, erweisen sie sich dank passender Werkwahl in maßgeschneiderter heutiger Bearbeitung als vergnüglich.
Ausschlaggebend ist die einfühlsame, mit Überraschungen nicht sparende Bearbeitung der Noten durch Claudio Brizi. Kostproben der solistischen Leistungsfähigkeit des Instruments boten der rasante, schier atemlos dargebotene „Fandango“ des Spaniers Antonio Soler und die berühmte Toccata und Fuge in d-Moll für Orgel von J. S. Bach. Die beiden Flötisten sorgten als Kammermusiker mit großer Virtuosität und „fließendem“ Musikantentum für Lebendigkeit der Werke: bei der Altflöte im Auskosten der samtigen Klangmöglichkeiten, bei der Piccoloflöte in der noblen Zurückhaltung. Am Programm: wirkungsvolle Gustostücke von J. S. Bach und Sohn C. Ph. E. sowie von deren Zeitgenossen. Stürmischer Beifall.
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