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Alf Poier: Die Einsamkeit des Kasperls

Er ist Österreichs umstrittenster Kabarettist und bezeichnet sich selbst als „vielosofischen Brachialkasperl“. Zu seinem 15-jährigen Bühnenjubiläum geht Alf Poier (43) mit seiner neuen CD „This Isn’t It“ unter die Austropopper.

OÖN: Ihr Ausflug in die Musikwelt ist eine Rückkehr zu Ihren Wurzeln. Sie sind ja vor 20 Jahren nur mit Ihrer Gitarre nach Wien gezogen. Warum jetzt diese Rückbesinnung?

Poier: Ich wollte das immer schon machen, hab’ aber nie die Zeit gefunden. Und jetzt zum 15-jährigen Bühnenjubiläum wollte ich kein simples Best-of-Programm spielen. Sondern hab’ mich für das Musikprogramm entschieden, das ich eh schon so lange machen wollte.

OÖN: Braucht die Welt den Popstar Alf Poier?

Poier: Schauen Sie, brauchen tut man den Michael Jackson oder die Britney Spears auch nicht (lacht). Aber ich hab’ Spaß, die Zuschauer haben Spaß. Und ich verdiene was, mein Manager verdient was, mein Techniker auch. Es gibt nichts, was dagegen spricht.

OÖN: Sie haben Michael Jackson angesprochen. Woher stammt die Idee, Ihre neue CD nach dem letzten Jackson-Film „This Is It“ zu benennen?

Poier: Das ist zufällig passiert. Ich habe einen Titel gesucht, die Zeitungen angeschaut. Aha, der Jackson ist gestorben, quasi „This Is It“. Und ich hab mir gedacht: 15 Jahre Kabarett – das kann’s doch noch nicht gewesen sein! Da muss noch mehr kommen in meinem Showleben. Also folglich „This Isn’t It“!

OÖN: Was hat die Platten-firma dazu gesagt?

Poier: Die haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: „Um Gottes willen, der Poier!“ Bis zu 300.000 Euro Plagiatsklage haben die wichtigen Herren von der Plattenfirma befürchtet.

OÖN: Und ist die Klage bereits eingetrudelt?

Poier: Nein, die Sache ging von der deutschen zur amerikanischen Plattenfirma bis direkt zu den Michael-Jackson-Erben. Innerhalb weniger Tage hatten wir deren Zustimmung. Im Brief stand: „Okay, Burschen. Macht’s weiter!“ Unglaublich. Ich hätte ja schon öfter die Zustimmung anderer Künstler für meine Versionen gebraucht, etwa von Shakira. Hat bis jetzt aber nie funktioniert. Und ausgerechnet beim Michael Jackson geht’s ohne Probleme.

OÖN: Gibt’s einen Jackson-Song, der Ihnen besonders gefällt?

Poier: Ich war nie ein großer Fan. Tantiemenmäßig wär’s aber sicher nicht schlecht, wenn ich einen Jackson-Song geschrieben hätte (lacht).

OÖN: Laut eigener Aussage sind Sie ja glücklicherweise mit 43 noch jung und sexuell potent genug, um ein Rockstar zu sein. Stehen die Groupies nach den Konzerten Schlange?

Poier: Leider mehr die Croupiers als die Groupies (lacht schallend)! Da hätte ich kein Rockstar werden brauchen, da hätte ich zu den Casinos Austria auch gehen können. Nein, man merkt schon, dass es auf die Frauen anders wirkt, wenn man auf der Bühne tanzt und singt, als wenn man nur den Kasperl macht.

OÖN: Eines Ihrer Lieder ist dem deutschen Philosophen Schopenhauer gewidmet, der heuer seinen 150. Todestag hat. Welchen Einfluss hatte Schopenhauer auf Ihre Karriere als Austropop-Star?

Poier: Mich haben immer die dunklen Philosophen angezogen, Nietzsche und Schopenhauer. Schopenhauer war der erste, der die asiatische Philosophie in die westliche Philosophie integriert hat. Seine negative Sicht der Welt hat mich eine Zeit lang extrem fasziniert.

OÖN: Stehen diese dunklen Gedanken nicht in Widerspruch zu dem hellen Scheinwerferlicht auf der Bühne?

Poier: Wenn man auf der Bühne steht und 10.000 Watt im Gesicht hat, sieht man nur noch finster. Gerade als Kabarettist stehe ich auf der Bühne und sehe oft kein einziges Gesicht. Man blickt in die Dunkelheit. Würden nicht die Leute lachen, würde ich nicht glauben, dass vor mir jemand sitzt.

OÖN: Der Song „I woa a Leben lang a Kasperl“ klingt wie die Lebensbeichte des Alf Poier. Ist das Lied für Sie das, was „My Way“ für Frank Sinatra war?

Poier: Mit diesem Lied identifiziere ich mich sehr. Es ist eine typische Austropop-Nummer, wie man sie von früher kennt. Das Lied bringt vieles von dem, was ich mache, auf den Punkt. Man ist immer unter Leuten, steht im Rampenlicht. Aber das Leben als Kabarettist ist ein sehr einzelgängerisches. Man schreibt alleine, sitzt alleine in der Garderobe, steht alleine vor tausend Leuten auf der Bühne. Da spürt man eine gewisse Einsamkeit.

OÖN: War es schwer, sich derart zu öffnen, ohne satirische Überhöhung oder ironische Brechung?

Poier: Nein, das Lied ist mir relativ einfach von der Hand gegangen. Aber es wird doch eher eine Ausnahme bleiben und nicht meine neue Richtung werden. Ich hab’ ja musikalisch überhaupt keine Richtung. Das geht bei mir von Suizid-Metal bis Volksmusik.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 14. Juli 2010 - 00:04 Uhr
Von Lukas Luger
Bild vergrößern Über die Einsamkeit des Kasperls

Alf Poier (M.) bringt mit der „Obersteirischen Wolfshilfe“ Farbe in die graue Welt der österreichischen Popmusik. 

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