OÖN: Offensichtlich haben Sie sich mit Ioan Holender immer gut verstanden?
D’Arcangelo: Anfang der neunziger Jahre, ich war 22, hatte ich ein Vorsingen bei ihm. Er lud mich ein, Ensemblemitglied zu werden. Das wollte ich nicht. Mit 24 trat ich in Ferrara unter Claudio Abbado im „Figaro“ auf. Abbado wollte mich mit nach Wien nehmen. Herr Holender war nicht happy, er meinte, ich sei für den Bartolo nicht alt genug. Da schickte mich Abbado in den Make-up-Raum, dort mischten sie mir weiße Farbe ins Haar. So trat ich vor Holender. Er hat sehr gelacht, und ab diesem Moment war das Eis gebrochen.
OÖN: Mit Anna Netrebko haben Sie gemeinsam, dass Sie ursprünglich Oper überhaupt nicht mochten?
D’Arcangelo: Ich hasste Oper. Einmal schaute ich mir mit meinem Vater im Fernsehen den „Barbier“ in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle an. Nach dem ersten Akt bin ich eingeschlafen. Über Opernsänger machte ich mich immer lustig, vor allem über die kreischenden Soprane.
OÖN: Wann hat es dann geklingelt?
D’Arcangelo: Ich begann ein Klavierstudium, und einmal wurde ich von meiner Lehrerin Monica Bacelli gefragt: „Warum singst du nicht?“ Ich erzählte ihr von meinen Bedenken. Sie meinte, sie würde mich der Materie näherbringen, spielte mir eine „Don Giovanni“-CD vor, und diesem Werk bin ich sofort verfallen. 1985 begann bei Maria Vittoria Romano ein Gesangsstudium.
OÖN: Was liegt Ihnen als Sänger besonders am Herzen?
D’Arcangelo: Nie in Routine zu verfallen. Ich bemühe mich, in den Libretti immer Neues zu entdecken, und bin in jeder Vorstellung ein bisschen anders. In unserem Beruf ist man wie ein Priester, die Pflege der Stimme ist eine Art Religion.
OÖN: Wie fühlt man sich, wenn man mit den schönsten Sängerinnen der Welt auf der Bühne steht?
D’Arcangelo: Das ist wunderbar. Aber vergessen wir nicht: Das Wichtigste sind die Stimmen. Wenn beides stimmt – soll mir recht sein. Wenn ich schöne Stimmen höre, setzen sich in mir alle Gefühle frei. Wenn ich mir etwa zu Hause Aufnahmen von Franco Corelli auflege – da gibt es Momente, wo ich zu weinen beginne. Vor Glück.
Nach ein paar Wochen wird kein Hahn nach Holender krähen und das ist gut so. Auch in der Staatsoper muss endlich ein neuer Wind wehen, Opern der Neuzeit zur Aufführung kommen und nicht nur solche, die weltweit schon tausende Male ihre Dirigenten sowie die Orchester nährten.
Auch die Philharmoniker gehören auf den Boden der Realität geholt, denn "Beamte" im Staatsopernorchester spielen - so mit hohem Pensionsanspruch - aber bei lukrativen Tourneen als Verein agieren, das sollte man ihnen abgewöhnen.
Auch die Philharmoniker sind zu ersetzen, sollte es bei den Verhandlungen hart auf hart gehen.
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