Das ORF-Zentrum auf dem Wiener Küniglberg gleicht schon aus der Ferne einer Festung. Es wird auch so bewacht. „Wohin wollen Sie?“, fragt der Portier. „Zu Was gibt es Neues?“, sagt Lainer. Portier: „Führung oder Publikum?“ Lainer: „Rateteam!“
„’Tschuldigung, ich hab’ sie nicht gleich erkannt, weil sie zu Fuß da sind“, sagt der Portier, obwohl man einen wie Günther Lainer so schnell nicht vergisst, aus mehreren Gründen. Der spröde Portier wird humorlosere Sendungen bevorzugen.
EAV-Sänger Klaus Eberhartinger (59) ist der Senior der Runde und der Erste in der Maske. Florian Scheuba, Susanne Pöchhacker und Andreas Vitasek trudeln ein. Lainer bekommt in der ORF-Garderobe T-Shirt und Hemd angepasst, private Kleidung kommt nicht ins Fernsehen. Kalauer fliegen durch die Luft, die fünf Humorkanonen schießen sich warm.
Ein Sieger steht schon jetzt fest: Günther Lainer hat das Panini-Album der Fußball-WM 2010 als Erster der Raterunde fertiggeklebt. Nwankwo Kanu, der nigerianische Stürmer mit der Pickerlnummer 139 fehlte noch, Scheuba hat ihn zum Tauschen mitgebracht. Ungespielte Freude, wer erwachsene Unterhaltung abliefern will, darf das Kind in sich nicht in die Pubertät kommen lassen.
Vor dem Studioeingang haben sich rund 200 Menschen versammelt. Sie wollen „Was gibt es Neues?“-Publikum sein und sind aus allen Teilen Österreichs angereist. „Gemma, Einlass!“, sagt der Einlasser.
Alle sitzen, Moderator Oliver Baier springt herein und sagt, was gesagt werden muss: Handys abdrehen, Kaugummis aus dem Mund, weil kauende Mäuler im Fernsehen nicht hübsch aussehen – und während der Aufzeichnung nicht fotografieren. Eines noch: Bitte, bitte klatschen, wenn eine Antwort Witzpotenzial hat. Für Notfälle steht ein stattlicher Herr mit Kopfhörer im Schatten der Kameras, der die Stimmung befeuern soll und Zeichen gibt, sofern der Applaus schwächelt.
An diesem Nachmittag greift er so gut wie nie ein. Die Redaktion hat Oliver Baier wie immer Begriffe hingelegt, die auf fröhliches Scheitern angelegt sind. Das Rateteam hat keine Ahnung davon, woran es zu knabbern hat.
Einkehrpflicht, Einschießer
Woher soll man auch wissen, dass ein „Matrosenei“ nicht jenen körperlichen Zustand metaphorisch beschreibt, in dem ein Seemann nach monatelanger Enthaltsamkeit im Heimathafen anlegt – wie Andreas Vitasek vermutet. Eine „Einkehrpflicht“ gehört obendrein nicht zum vorgeschriebenen Stundenplan österreichischer Ski-Touristen, und das US-Verteidigungsministerium im Pentagon ist erst recht nicht auf die Idee gekommen, Bienen zu züchten, damit sich die Generäle in Krisenzeiten ein Honigbrot schmieren können. Ö3-Callboy Gernot Kulis stellt die zugespielte Promifrage: „Was ist ein Einschießer?“ Die Auflösung folgt heute Abend.
Keine Versprecher, keine Pannen, ein großartig souveräner Gastgeber Oliver Baier, das Publikum hat sich weggeschmissen, das Rateteam ist entlassen. Rund 70 Minuten Aufzeichnung werden zu 45 Minuten Sendung geschnitten.
Eine Führung erreicht in letzter Minute das Studio. Es ist eine Klasse der Linzer Adalbert-Stifter-Praxisschule der 10- bis 14-Jährigen, sie ist auf Wien-Woche. Einer der Buben heißt Lainer, Maximilian Lainer. Zum ersten Mal geht dem gleichnamigen Günther der Schmäh aus. Sein Sohn und dessen Schulkameraden kommen überraschend auf Besuch. Ein herrlich romantisches Schlussbild, aber leider nicht im Fernsehen.
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